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Westdeutsche Zeitung: Vom Niedergang eines Traditionsunternehmens Die Quelle ist endgültig versiegt Von Annette Ludwig =

    Düsseldorf (ots) - Dass diese Quelle einmal versiegen könnte - das hätte bis vor Kurzem kaum jemand geglaubt. Dieses Symbol für das deutsche Wirtschaftswunder, für Unternehmertum und Pioniergeist soll einfach vom Markt verschwinden? Der Untergang von Quelle ist eine ganz bittere Geschichte, die weniger mit der Wirtschaftskrise zu tun hat, dafür aber umso mehr mit gewissenlosen Managern sowie einer glücklosen Erbin, die nun fast ihr ganzes Vermögen verloren hat.

    Das Scheitern der Verkaufsverhandlungen zeigt zudem, wie desolat die Lage bei Quelle wirklich ist. Das schmerzt besonders, weil sich der Versandhandel zu einer Boombranche entwickelt hat. Nur nicht bei Quelle. Viel zu lange hat die Firmenspitze am dicken Katalog festhalten und viel zu spät den Sprung ins Internet gewagt. Viel zu lange hat sie auf die wenig imageträchtigen Eigenprodukte und zu spät auf Marken gesetzt. Trotz dieser Fehler hätte sie noch eine Chance gehabt, das Ruder herumzureißen.

    Doch die Fusion mit Karstadt war der Anfang vom Ende. Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz stürzte damit sich und ihre Mitarbeiter, getrieben von ihren Beratern, ins Verderben. Mit der Fusion wuchs zusammen, was gar nicht zusammengehörte - vereint unter dem Dach eines seelenlosen Kunstnamens: Arcandor. Angebliche Top-Manager bastelten sich diesen Konzern zusammen, ideenlos und ohne Ahnung vom eigentlichen Geschäft.

    Als der vermeintliche Arcandor-Retter Thomas Middelhoff Anfang des Jahres das Unternehmen nach seiner Aussage "besenrein" verließ, fand sein Nachfolger Karl-Gerhard Eick nur noch eine ausgeplünderte Hülle vor. Für sein kurzes Intermezzo wurde er mit 15 Millionen Euro fürstlich entlohnt. Während diejenigen also, die Quelle gegen die Wand gefahren haben, längst mit dicken Abfindungen über alle Berge sind, stehen Tausende von Mitarbeitern vor dem Nichts.

    Auch die Politik spielte eine unrühmliche Rolle. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nutzte das Schicksal von Quelle für wahltaktische Spielereien. Er ließ sich sogar mit dem Quelle-Katalog in der Hand als Retter feiern, weil er nach langem Hin und Her einen staatlichen Massekredit über 50 Millionen Euro für das Unternehmen ertrotzt hatte. Doch auch damit war Quelle nicht mehr zu retten.

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