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Westdeutsche Zeitung: Gnade vor Recht für den Attentäter von Lockerbie Ein Massenmörder - gefeiert wie ein Held Von Wolfgang Radau =

    Düsseldorf (ots) - Empörend ist nicht so sehr die Tatsache, dass die schottische Justiz einen Todkranken zum Sterben aus dem Gefängnis entlässt. Das mag man als Akt der Menschlichkeit sehen, als Gnade, die nicht nach Recht fragt.

    Empörend ist, wie der Staat Libyen diese Freilassung zelebriert. Staatschef Muammar el Gaddafi schickt ein Regierungsflugzeug nach Glasgow, um den wegen Mordes an 270 Menschen verurteilten Terroristen heimzuholen. Gaddafis Sohn präsentiert den Attentäter auf dem Flughafen von Tripolis wie einen Sport-Helden. Massen von Jubel-Libyern heißen den Massenmörder willkommen. Kein Wunder, dass die Angehörigen der Opfer dieses 21. Dezember 1988 ihre Toten und sich selbst verhöhnt fühlen. Kein Wunder auch, dass sich US-Präsident Obama und seine Außenministerin Clinton bemühten, die Freilassung zu verhindern. Immerhin war der Bombenanschlag über dem Dorf Lockerbie gegen die USA gerichtet und traf 189 amerikanische Staatsbürger.

    Libyen feiert seinen Triumph. Bereits 2003 hatte Tripolis die Verantwortung für den Anschlag übernommen und den Hinterbliebenen Entschädigungen gezahlt. 2004 wurde dafür das amerikanische Öl-Embargo aufgehoben. 2006 wurde Libyen von der Bush-Liste der "Schurkenstaaten" gestrichen. Mit der Begründung, Gaddafi habe dem Terror abgeschworen. Die Bilder von gestern beweisen, dass im Reich der Ölfelder zumindest der Terrorist einen ungebrochen hohen Stellenwert besitzt. Mit Petro-Dollars lässt sich so ziemlich jedes Unrecht zudecken.

    In Großbritannien wollen die Spekulationen nicht verstummen, bei der Freilassung Megrahis habe vor allem Öl eine Rolle gespielt. Öl, an dessen Quellen die britische Gesellschaft BP wieder heran möchte. Entsprechende Vereinbarungen hätte 2007 Gaddafi mit dem damaligen Premier Blair getroffen. Die britische Regierung weist solche Zusammenhänge von sich. Über die Begnadigung habe allein die schottische Justiz entschieden.

    Schottlands Justizminister betont, der Gerechtigkeit sei mit Megrahis Verurteilung zu lebenslanger Haft Geltung verschafft worden. Nun müsse sich der Todkranke vor einer höheren Macht verantworten.

    Das hätte er auch hinter Gefängnisgittern gekonnt - ohne seinen finalen Auftritt als Held.

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