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Westdeutsche Zeitung: Wir werden die Krise noch lange spüren = von Rolf Eckers

    Düsseldorf (ots) - Die deutsche Wirtschaft wächst wieder, melden die Statistiker. Wie bitte? Wachstum? Ist die Krise tatsächlich schon vorbei? Leider nicht! Im zweiten Quartal lief es etwas besser als im ersten. Der freie Fall der Wirtschaft ist also gestoppt. Trotzdem wird das deutsche Sozialprodukt in diesem Jahr gegenüber 2008 um fünf, vielleicht sogar um sechs Prozent sinken. Einen derartigen Einbruch hat es seit Gründung der Bundesrepublik noch nicht gegeben. Aber die Talfahrt setzt sich nicht fort. Exporte und Auftragseingang ziehen an. Dass aus dem Ende der Rezession gleich wieder ein nachhaltiger Aufschwung erwächst, ist so sicher allerdings nicht. Dennoch hat sich die Politik ein Lob verdient. Anders als in den 1930er-Jahren gab und gibt es massive Eingriffe in die Ökonomie. Die Regierungen hier und anderswo geben Geld aus, das sie nicht haben - mit Recht, denn nur so bleibt der Kreislauf in Schwung. Untermauert wird das von den Zentralbanken, die die Welt mit Liquidität überschwemmen. Nur so konnte die durchaus mögliche ökonomische Katastrophe verhindert werden. Ein Lob gebührt aber auch uns Verbrauchern. Statt im Angesicht der Krise den Konsum zu verweigern, haben wir mit großer Gelassenheit weiter eingekauft. Gut so. Die Folgen des Desasters werden uns aber noch lange begleiten. Im Herbst könnte sich Kurzarbeit massenhaft in Arbeitslosigkeit verwandeln. Mit der bislang so stabilen privaten Nachfrage ginge es dann in den Keller. Hinzu kommt die extrem restriktive Kreditvergabe der Banken, die vielen Firmen kaum Spielraum lässt, notwendige Investitionen zu finanzieren. Die größte Herausforderung wartet jedoch auf die Politik: So richtig es war, der Krise mit Maßnahmen auf Pump zu begegnen, so zwingend ist es, die Schulden wieder abzubauen. Mittelfristig Steuererleichterungen in Aussicht zu stellen, wirkt hier wenig zielführend. Noch unbegreiflicher ist es, dass die Finanzwelt bis heute agieren darf, als sei nichts geschehen. Von der vollmundig angekündigten Regulierung kann weltweit keine Rede sein. Stattdessen verdienen die Geldhäuser als Vermittler prächtig daran, dass sich die Staaten am Kapitalmarkt immer neue Milliarden leihen müssen. Aus den Verursachern werden so die Profiteure der Krise.

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