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Westdeutsche Zeitung: Arbeitsmarktzahlen = von Martin Vogler

    Düsseldorf (ots) - Miesmacher, bitte mal die Luft anhalten: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Mai gesunken. Damit hatte kaum einer gerechnet. Im Gegenteil, Konjunkturexperten überschlugen sich in den vergangenen Monaten sogar mit Horrormeldungen. Auf fünf Millionen werde der statistische Wert schon im Sommer anwachsen. Jetzt ist der Sommer schon spürbar - und wir haben offiziell weniger als 3,5 Millionen Arbeitslose. Das ist schön für uns alle, besonders für alle jene, die nicht den schweren Gang zur Agentur für Arbeit antreten mussten. Diese Entwicklung macht Hoffnung für die Zukunft. Wir sollten das erstmal so auf uns wirkenlassen - was übrigens auch und gerade für die erwähnten Miesmacher gilt. Freude ist angesagt, allerdings kein hemmungsloser Jubel. Denn die Zahlen haben Schönheitsfehler. So kann man aus ihnen keine Kehrtwende ablesen. Das wäre erst legitim, wenn der positive Trend länger anhielte. Eine andere Messmethode - Kritiker sprechen gar von "Statistik-Tricks" schönt den Wert zudem. Klar ist auch, dass die hohe Nutzung des Kurzarbeitergeldes eine Rolle spielt. Die folgende simple Rechnung zeigt dies: Wenn 1,1 Millionen Menschen Kurzarbeitergeld beziehen und deshalb rund ein Drittel weniger arbeiten, entspräche das rechnerisch rund 360 000 Vollzeitstellen. Diese Fakten sollten wir berücksichtigen, aber unsere Energie nicht damit verschwenden, eine gute Entwicklung schlechter zu reden als sie ist. Wir sollten die neuen Zahlen stattdessen als Ansporn sehen, weiter gegen Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Individuell heißt das: Da sich kaum jemand sicher sein kann, dass sein Arbeitsplatz auch noch in zehn Jahren für ihn zur Verfügung steht, sollte man jede Chance zur Qualifizierung und Horizonterweiterung nutzen. Für den Staat heißt das: Das Geld nur sehr dosiert für langfristig nicht sehr wirkungsvolle Maßnahmen wie verlängertes Kurzarbeitergeld ausgeben. Stattdessen sollte er auf Projekte setzen, die den Betroffenen helfen, sich selbstbestimmt neu zu orientieren. Dazu zählt sicherlich gutes Coaching in Transfergesellschaften bis hin zur Unterstützung von sinnvollen Existenzgründungen. Das beste Mittel jedoch wäre eine wieder hochdrehende echte Konjunktur, die nicht am Tropf staatlicher Subventionen hängt.

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