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Westdeutsche Zeitung: Fallende Preise = Von Christoph Lumme

    Düsseldorf (ots) - Für Verbraucher ist es eine gute Nachricht: Die Lebenshaltungskosten schrumpfen durch sinkende Energie- und Lebensmittelpreise. Das wirkt besser als jedes Konjunkturpaket, denn die Billig-Wellen tragen wesentlich dazu bei, dass die Stimmung unter den Konsumenten trotz düsterer Konjunkturprognosen verhältnismäßig gut bleibt. Ein Konsumstreik im Innern wäre in Zeiten kollabierender Exportmärkte tatsächlich eine Katastrophe - sie bleibt uns angesichts von Rabattschlachten im Einzelhandel erspart. Andererseits warnen Pessimisten, das Feuerwerk der guten Laune in den Supermarkt-Gängen könnte Vorbote einer Deflation sein: Verbilligen sich auf breiter Front und über einen längeren Zeitraum die Waren des Marktes, dann schrumpfen auch die Löhne. Schließlich sinkt die Produktion und lähmt die Wirtschaft. Japan hat diesen ökonomischen Albtraum in den 90er Jahren erlebt und bis heute nicht verwunden. Doch tatsächlich ist die Gefahr einer solchen Sklerose gering, denn der gegenwärtige Preisverfall vollzieht sich in keinem klassischen Deflationssog. Er ist vor allem die Folge drastisch gesunkener Rohstoffpreise und einer deutschen Spezialität - dem knallharten Wettbewerb unter Discountern. Vieles weist zudem darauf hin, dass der Tanz der kleinen Preise im Herbst sein jähes Ende finden wird. Schon jetzt steigen die Rohölpreise wieder leicht an, spätestens, wenn die Konjunktur anspringt, werden sich die Verbraucher umstellen müssen. Dass sich die Rabattschlacht nicht auf Dauer fortsetzt, sollte aber auch im Sinne der Kunden sein. Denn ein chronisches Billig-diktat würde den notwendigen Qualitätswettbewerb im Einzelhandel zerstören. Schließlich lassen sich die Regeln des Marktes nicht außer Kraft setzen, und eine dieser Regeln lautet: Niemand hat etwas zu verschenken. Die Risiken und Nebenwirkungen eines ruinösen Preiskampfes lassen sich absehen: Die Konzentration des Einzelhandels schreitet dramatisch voran, während der Kostendruck auf die Lieferanten steigt. Das Schicksal der Milchbauern, nicht mehr kostendeckend produzieren zu können, würde bei einem chronischen Preisverfall noch eine Vielzahl anderer Berufsgruppen treffen.

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