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Westdeutsche Zeitung: Schweinegrippe = von Martin Vogler

    Düsseldorf (ots) - Wer heute kräftig hustet oder erhöhte Temperatur bemerkt, wird aufgeregter reagieren, als er das vor drei Tagen getan hätte. Denn die neue Variante der Schweinegrippe kündigt sich mit banalen Symptomen wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder eben Husten und Fieber an. Wir hoffen zwar, dass der Erreger nicht in Deutschland ankommt, doch in Sicherheit wiegen können wir uns nicht. Und obwohl die Schweingrippe als für Menschen ungefährlich galt, scheint das Virus jetzt in Mexiko einen schlimmen Wandel vollzogen zu haben. Ansteckung von Mensch zu Mensch ist wohl möglich. Mit tödlichen Folgen. Auch fitte junge Leute sind betroffen. Wie viel Angst müssen wir haben? Es ist naheliegend, dass Vergleiche zur Spanischen Grippe in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gezogen werden. Die damaligen Schätzungen der Todesopfer reichten bis zu 50 Millionen. Auch wenn die Angaben schwanken, so waren es mit Sicherheit mehr Tote als der Erste Weltkrieg forderte. Doch von diesen Zahlen sollten wir uns nicht hysterisch machen lassen, denn die Situation heute ist nicht vergleichbar. Aus drei Gründen: Die Menschen waren durch Krieg und Hunger geschwächt und deshalb nicht so widerstandsfähig wie heute. Außerdem sollen damals die meisten Opfer nicht am Virus selbst sondern an nachfolgenden Infektionen gestorben sein - weil Bakterien nicht im heutigen Stil mit Antibiotika bekämpft werden konnten. Der dritte Aspekt ist, dass die Medizin heute hoffentlich schneller in der Lage ist, das Virus selbst in den Griff zu bekommen. Wir müssen also nicht panisch werden, aber so vorsichtig wie möglich sein. Selbst wenn keine offiziellen Warnungen ausgesprochen werden, sollte man sich Reisen in betroffene Gebiete gut überlegen. Und selbst wenn auch bei uns blaue Gesichtsmasken empfohlen werden sollten und Veranstaltungen ausfallen, sollten wir uns klaglos dreinfügen.Das Virus hat übrigens, wie alle wirklich bedrohlichen Geschehnisse, auch einen positiven Aspekt: Die tödliche Gefahr relativiert unsere sonstigen Sorgen. Denn was ist zum Beispiel ein Konjunktureinbruch von fünf Prozent im Verhältnis zu der Gefahr, dass Tausende sterben? In solchen Momenten lernt man, das Wort Katastrophe nicht inflationär einzusetzen.

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