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Westdeutsche Zeitung: Nahost = Von Alexander Marinos

    Düsseldorf (ots) - Der Nahost-Konflikt polarisiert die deutsche Öffentlichkeit. Nahezu reflexhaft ergreift die eine Seite - auch wegen der deutschen Vergangenheit - Partei für die Israelis, die sich gegen den Terrorismus wehren. Die andere Seite solidarisiert sich ebenso selbstverständlich mit dem palästinensischen Volk, weil es unterdrückt und ihm so ein halbwegs erträgliches Leben verweigert wird. Beide Seiten haben recht - und unrecht. Beide führen sie Asymmetrien an, die es in der Form gar nicht gibt. Da wird etwa mit Blick auf die angebliche militärische Überlegenheit Israels das David-gegen-Goliath-Bild bemüht. Hier die modernen Kampfjets mit lasergesteuerten Bomben, die die Elendsviertel von Gaza zerstören (so es da noch viel zu zerstören gibt); dort primitive Raketen, die israelische Siedlungen meist deutlich verfehlen. Dabei werden zwei Dinge übersehen: Erstens hinterlassen die Raketen nicht nur Spuren im Sand. Manchmal töten sie eben doch einen Menschen, und das erzeugt lähmende Angst. Zweitens sind die Kämpfer der Hamas bereit, jederzeit ihr Leben zu opfern. Kommt es zu einem Guerilla-Krieg im Gaza-Streifen, wird den israelischen Soldaten ihre ganze Technik nur bedingt helfen. Der angeblichen militärischen Überlegenheit der Israelis wird ihr vermeintlicher moralischer Vorteil gegenübergestellt. Hier das Bemühen, zivile Opfer zu vermeiden; dort brutaler Terror, der es direkt auf die Zivilbevölkerung abgesehen hat. Aber auch diese Sichtweise ist einseitig: Erstens unterscheidet auch die präziseste Bombe nicht zwischen Gut und Böse, wenn sie tötet. Gleich am ersten Tag des israelischen Angriffes kamen unzählige Kinder ums Leben. Zweitens passen Moral und Krieg schon prinzipiell nicht zusammen. Oder wie soll man es werten, dass Israel allein deshalb den Gaza-Streifen geöffnet und Hilfslieferungen zu-gelassen hat, um vom unmittelbar bevorstehenden Angriff abzulenken? Wo steckte in dieser Täuschung der "moralische Vorteil"? Beide Seiten haben recht - und unrecht. Wenn jemand Raketen auf mein Haus wirft, dann werde ich meine Familie und mich verteidigen. Und wenn mich jemand einsperrt und mir jede Zukunftsperspektive verweigert? Dann werde ich mich auch dagegen wehren. Am Ende aber erzeugt Gewalt nur Gegengewalt.

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