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Westdeutsche Zeitung: Konsumgutscheine = Von Alexander Marinos

    Düsseldorf (ots) - Die Diskussion um Konsumgutscheine ist eine Gespensterdebatte. Im besten Fall ist der Spuk bald vorbei; im schlimmsten Fall werden wir - ähnlich wie in Goethes Zauberlehrling - die Geister nicht mehr los, die einige Politiker wie Karl Lauterbach und Andrea Nahles mit ihrem ökonomischen Unsachverstand herbeigerufen haben. Ein erster Schaden ist bereits zu begutachten: Die Konsumenten sind verunsichert. Manche überlegen, ob sie Kaufentscheidungen jetzt nicht zurückstellen sollen und lieber auf die geschenkte Staats-Knete warten. Es ist zum Mäusemelken! Das Vorweihnachtsgeschäft brummt. Die Krise ist angekündigt, aber sie ist noch nicht da. Das Gutschein-Gerede könnte nun dazu führen, dass sich die düstersten Prophezeiungen rasch selbst erfüllen. Glücklicherweise ist die Idee nur vermeintlich populär. Die meisten Menschen haben sehr genau begriffen, dass sie ein solches "Geschenk" teuer zu stehen käme. 500 Euro für jeden wären rund 40 Milliarden Euro zusätzliche Schulden für alle. Irgendwann würde sich der Staat das Geld zurückholen müssen, zuzüglich Zinsen und Zinseszinsen. Und was wäre gewonnen? In den USA wurden in diesem Jahr Steuergutschriften im Wert von 150 Milliarden Dollar verteilt. Trotzdem verschärfte sich die Rezession drastisch. Das Konjunkturprogramm hatte keinen nachweisbaren Effekt, obwohl die Amerikaner nicht zimperlich sind, wenn's ums Konsumieren geht. Was täten die Deutschen? Einige würden Ramsch kaufen, was vor allem die Konjunktur in Fernost stützen dürfte. Die meisten aber tun, was sie in Krisenzeiten soliderweise immer tun: sparen. Dass Banken den Gutschein nicht annehmen dürften, nutzt wenig. Wer will verhindern, dass man ihn für ohnehin Geplantes einlöst und dann den so eingesparten Betrag aufs Konto legt? Außerdem wären solche Gutscheine bürokratische Monster. Wie sollen sie verteilt, wie fälschungssicher gemacht werden? Was ist, wenn die 500 Euro nicht auf einmal ausgegeben werden? Wie sollen Händler die Scheine in Bargeld umtauschen? "Die Menschen lieben die Dämmerung mehr als den hellen Tag, und eben in der Dämmerung erscheinen die Gespenster", heißt es an anderer Stelle bei Goethe. Hoffen wir, dass der SPD-Linken bald ein Licht aufgeht.

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