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Westdeutsche Zeitung: Warum der Optimismus nicht stirbt = von Martin Vogler

Düsseldorf (ots) - Heute wird sich zeigen, ob es weltweit wirtschaftlich richtig gefährlich wird. Die Auswirkungen würden wir alle spüren. Deshalb werden viele schon beim Frühstück bange fragen, wie die Aktienbörsen in Fernost eröffnet haben, wie es ab 9 Uhr in Frankfurt steht, nachmittags nach New York blicken und abends wissen wollen, wie sich der heimische Aktienindex Dax und andere Börsen im Laufe des Tages entwickelt haben. Denn Aktienkurse nehmen wirtschaftliche Entwicklungen vorweg. Wenn sie in den nächsten Tagen wieder so rasant wie in der Vorwoche nach unten rauschen, dürften wir vor einer schlimmen Rezession stehen. Muss das so kommen? Nein. Vor allem aus zwei Gründen: Die international abgestimmten Rettungsaktionen dürften, selbst wenn sie erst mittelfristig greifen sollten, auf jeden Fall Wirkung zeigen. Sie sind einfach zu mächtig, vor allem ihre finanzielle Dimension liegt zwischen beeindruckend bis fast beängstigend. Dabei stellt sich zwangsläufig die Frage, wie im Ernstfall alles bezahlt werden soll. Da täten sich neue Lasten für den Steuerzahler auf. Aber das scheint im Augenblick zweitrangig. Wichtig ist das Signal: Die sieben führenden Industrieländer, die EU und die Bundesregierung handeln entschlossen und abgestimmt. Das ist sinnvoll, vor allem besser als nationale Alleingänge. Befürworter der freien Marktwirtschaft bekommen zwar bei einigen der geplanten Maßnahmen tiefe Sorgenfalten. Doch wahrscheinlich geht es im Augenblick nicht ohne solche staatlichen Eingriffe vernünftig weiter. Der zweite Grund für gemäßigten Optimismus heißt Vernunft. Denn diese wird irgendwann wieder an den Börsen einziehen, beziehungsweise hält sich genau genommen nur versteckt. Denn auch in der vergangenen Woche, als nach dem allgemeinen Empfinden alle Welt Aktien loswerden wollte, stimmte das nicht. Weil es nämlich bei jedem Verkauf auch einen optimistisch gestimmten Käufer gibt, der bereits auf steigende Kurse hofft. Ansonsten würde der Handel gar nicht stattfinden. Und auch der gefühlt niedrige Dax-Wert von rund 4500 Punkten ist zwar gegenüber den 8000 vom Januar natürlich ein böser Absturz. Aber - und das vergessen viele - er liegt immer noch doppelt so hoch wie im März 2003 vor Ausbruch des Irak-Krieges. Pressekontakt: Westdeutsche Zeitung Nachrichtenredaktion Telefon: 0211/ 8382-2358 redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de Original-Content von: Westdeutsche Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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