Westdeutsche Zeitung

Westdeutsche Zeitung: Neue Katastrophen an der Wall Street = von Ingo Faust

Düsseldorf (ots) - Die dramatischen neuen Erschütterungen an New Yorks Börsenplatz Wall Street lösten auch in ganz Europa heftige Beben aus: Zwei weitere große Banken sind pleite oder wurden zur Rettung übernommen. Die US-Finanzkrise, die seit mehr als einem Jahr die Finanzwelt in Atem hält, ist noch längst nicht vorbei. Vielleicht geht sie jetzt ja erst richtig los, wie der legendäre Ex-Notenbankchef Alan Greenspan vermutet. Er nennt die Finanzkrise bereits ein "Jahrhundertereignis". Auch wenn ein solcher Beinahe-Finanz-Kollaps nur alle 50 oder 100 Jahre vorkommt, ein jedes Mal ist einmal zuviel. Nur weil sich einige Finanzhäuser nicht an die ungeschriebenen Regeln halten, müssen nicht hinterher alle Institute Milliarden in den Ofen schreiben. Auch die Institute in Europa und Deutschland werden weitere Abschreibungen vornehmen müssen. Die Amerikaner sollten schnell beginnen, nach den Schuldigen zu suchen. Keinesfalls sollten die Spekulanten für ihr modernes Raubrittertum auch noch belohnt werden. So war es richtig, die Lehman-Bank den Bach runtergehen zu lassen statt schlechten Krediten auch noch gutes Geld der amerikanischen Steuerzahler hinterher zu werfen. Als Folge der verschärften Krise wird das weltweite Finanzsystem nicht zusammenbrechen. Auch an der Wall Street werden die Lichter nicht ausgehen, denn den Banken mit ihren faulen Krediten steht eine Reihe von seriösen Firmen gegenüber. Und US-Pensionsfonds müssen Milliarden-Vermögen anlegen. Dennoch werden die Folgen weitreichend sein. Der US-Immobilienmarkt wird völlig zusammenbrechen und die USA voraussichtlich in die Rezession rutschen. Auch für Deutschland ist die verschärfte Finanzkrise keine gute Nachricht. Zwar werden hierzulande kaum weitere Institute zusammenbrechen. Das Wirtschaftswachstum wird aber bei uns geringer als erwartet ausfallen. Ob am Ende auch dem Exportweltmeister eine Rezession droht, ist offen. Im theoretischen Sinne vielleicht, im praktischen wohl kaum, denn noch gibt es Zuwachsraten. Was wir aber brauchen, ist eine bessere Finanzaufsicht - europaweit und weltweit. Die Regeln müssen dabei die Staaten setzen. Freiwillige Vereinbarungen des Bankensektors sind im Zweifel zu unverbindlich. Pressekontakt: Westdeutsche Zeitung Nachrichtenredaktion Telefon: 0211/ 8382-2358 redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de Original-Content von: Westdeutsche Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Das könnte Sie auch interessieren: