Westdeutsche Zeitung

Westdeutsche Zeitung: Deutsche Bank nimmt die Postbank unter ihre Fittiche = Von Ingo Faust

Düsseldorf (ots) - Die allgemeine Verunsicherung durch die anhaltende internationale Finanzkrise macht es möglich: Der Branchenprimus Deutsche Bank übernimmt die Postbank. Den Mitarbeitern der Deutschen Bank, die es gewohnt sind für die Großen und Reichen der Welt Millionen-Deals einzufädeln, muss das wie ein Kulturschock vorkommen. Die Postbank bedient schließlich Millionen von Kleinverdienern, keineswegs in Prunkfilialen, sondern zwischen Paketannahme und Briefmarkenverkauf. Bei seiner Kehrtwende hat sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der früher selbst hochnäsig auf die Postbank hinabschaute, einiges gedacht. Seitdem im Investmentbanking wegen fauler US-Hypothekenkredite auch beim Branchenprimus Milliarden-Summen abgeschrieben werden müssen, gewinnt das eher biedere Schalter- und Girokontengeschäft wieder an Reiz. Die Risiken werden neu verteilt. Die brave Postbank liefert jährlich immer eine gute Milliarde Euro an Gewinn ab. Und die Deutsche Bank wird auf einen Schlag das größte Privatkunden-Institut Deutschlands. Gemeinsam mit der Postbank zieht die Deutsche Bank, die bereits mit ihrer kurzfristig ausgelagerten Bank 24 viele verprellt hat und die Einteilung in große und kleine Kunden schnell wieder zurücknehmen musste, auch an dem gestärkten Konkurrenten Commerzbank-Dresdner Bank vorbei. Dabei will die Deutsche Bank bei den Marken weiter zweigleisig fahren. Zusammengelegt werden bei voller Übernahme höchstens die Zentralen. Das kostet zwar auch Arbeitsplätze, aber längst nicht so viele wie beim Konkurrenten. Zumal das Streichen von Stellen bei der Postbank außerordentlich schwierig ist. Ein Drittel von 21 000 Mitarbeitern sind noch Beamte, die überwiegende Mehrzahl der Tarifbeschäftigten genießt längerfristigen Schutz vor betrieblichen Kündigungen. Für den Finanzplatz Deutschland ist die nationale Lösung hilfreich. Die deutschen Banken teilen den Kuchen unter sich auf und gewinnen international an Gewicht. Ackermann kann sich an die Spitze der Konsolidierungsbewegung setzen. Vielleicht setzen sich in wenigen Jahren ja alle verbliebenen deutschen Großbanken in ein gemeinsames Boot. Das wäre dann eine richtige Superbank im Weltformat. Pressekontakt: Westdeutsche Zeitung Nachrichtenredaktion Telefon: 0211/ 8382-2358 redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de Original-Content von: Westdeutsche Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Das könnte Sie auch interessieren: