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Westdeutsche Zeitung: US-Präsidentschaftswahlkampf = von Peter De Thier

    Düsseldorf (ots) - Seit Beginn des US-Wahljahrs herrschte unter Experten ein seltener Konsens: Vor dem Hintergrund der anhaltenden Konjunkturschwäche und der wachsenden Unzufriedenheit mit dem amtierenden Präsidenten George W. Bush dürfte den Demokraten der Sieg kaum zu nehmen sein. Doch nun scheint sich das Blatt sensationell zu wenden. Barack Obama hat nicht nur seinen Vorsprung verloren, sondern liegt in einigen Umfragen sogar deutlich hinter seinem republikanischen Gegner John McCain. Für Obama muss das alarmierend sein. Denn: Historisch gesehen haben die Republikaner immer wieder bewiesen, dass sie in der kritischen Schlussphase eines Wahlkampfs jeden noch so kleinen Vorsprung zu verteidigen wissen. 1988 ging Bush senior mit einem Rückstand von 20 Prozent gegenüber dem Demokraten Michael Dukakis in den republikanischen Parteitag und startete eine fulminante Aufholjagd. Ihm gehöre "The Big Mo", der Schwung, das "große Momentum", verkündete Bush selbstbewusst und feierte schließlich im November einen Erdrutschsieg. "The Big Mo" gehört augenblicklich John McCain, dessen taktisch riskantes Manöver, eine unerfahrene Gouverneurin als Nummer Zwei an Bord zu holen, sich offenbar auszahlt. Die Demokraten haben nun die Sorge, dass Obama während des zermürbenden parteiinternen Duells mit Hillary Clinton sein Pulver verschossen haben könnte. Obwohl Palins Nominierung zunächst kritisiert wurde, hat nun John McCain gut Lachen. Offenbar glauben die Wähler, dass Palins positives Image als Karrierefrau, die sich hochgedient hat und trotzdem ihren Aufgaben als fünffacher Mutter nachkommt, deutlich schwerer wiegt als ihre umstrittene politische Orientierung. Und sie glauben, dass die selbstbewusste Gouverneurin gemeinsam mit McCain in Washington Reformen durchsetzen kann. Die Wähler überzeugt zu haben, dass ausgerechnet zwei konservative Republikaner mit der Tradition brechen wollen, um das politische Establishment wachzurütteln, ist McCains größter Coup. Denn damit nimmt er dem Reformer Barack Obama, der zu Recht verunsichert ist, die Butter vom Brot. In acht Wochen kann noch viel passieren, doch Barack Obama muss sich wohl rasch etwas einfallen lassen.

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