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Westdeutsche Zeitung: Korruptionsbekämpfung ist eine Aufgabe für die Ewigkeit = Von Christoph Lumme

Düsseldorf (ots) - Drei Halbwahrheiten prägten lange das Verhältnis der Deutschen zur Korruption. Erstens, dass Filz, Klüngel und Bestechung zu den naturgegebenen Lastern einer jeden Gesellschaft gehören. Zweitens, dass sich diese Laster so wenig ausrotten lassen wie Prostitution. Und drittens, dass wirklich zersetzende Korruption in den Bananenrepubliken am anderen Ende der Welt stattfindet, nicht aber hinter dem akkuraten Vorgarten der deutschen Rechtsstaatlichkeit. Dabei zeigt schon ein Blick in die Frühgeschichte der Bundesrepublik eine Korruptions-Maschinerie von ungeheuerlicher Dimension: Weil in den meisten Gerichten ehemalige Nationalsozialisten das Sagen hatten, kamen unzählige Täter des Hitler-Regimes in den 50er Jahren glimpflich davon. Erst ein natürlicher Generationenwechsel in Gerichten und Staatsanwaltschaften brachte die Wende. Im Vergleich dazu entfalten sich die Selbstheilungskräfte der Gesellschaft nach den Korruptionsexzessen der jüngsten Vergangenheit nahezu explosionsartig. Die großen Schmiergeld-Skandale der Dax-Konzerne schärften nicht nur die Sensibilität gegenüber den illustren Facetten der Wirtschaftskriminalität; sie zeitigen nun auch ihre reinigende Wirkung in den Chefetagen der Unternehmen. Immer mehr Manager begreifen, dass Moral und Profit keine Gegensätze sind, erkennen, dass die Risiken der Bestechung inzwischen größer sind als ihre Nutzen, verstehen, dass Korruption ins Image-Debakel führt. Doch so sehr rituelle Teufelsaustreibungen mit der "Compliance"-Formel zur Mode geworden sind - der Zeitgeist befördert auch Vokabeln, die in andere Richtungen weisen. So gilt "Networking" für Menschen, die nach Einfluss und Geld streben, längst als politisch korrekter Karriere-Turbo. Dabei handelt es sich um eine alte, zuweilen schmuddlige Strategie in neuen, blütenreinen Kleidern; eine Strategie, die früher "Klüngel" hieß - man kennt sich, man hilft sich. Dem Bombast-Begriff Networking muss daher ein gutes, deutsches Wort zur Seite gestellt werden: Wachsamkeit. Denn die Selbstheilungskraft unseres Systems wirkt noch immer langsamer als die Hybris Korruption, die sich immer wieder neu erfindet. Ihre Bekämpfung bleibt eine Aufgabe für die Ewigkeit. Pressekontakt: Westdeutsche Zeitung Nachrichtenredaktion Telefon: 0211/ 8382-2358 redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de Original-Content von: Westdeutsche Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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