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Westdeutsche Zeitung: Atomausstieg = von Friedrich Roeingh

    Düsseldorf (ots) - "Atomausstieg? Nein, danke!" Die Umkehrung des ersten Schlachtrufs der bundesdeutschen Öko-Bewegung erhitzt die Gemüter. Mit einem Mal ist sie wieder da, die Debatte um Risiken und Nutzen nuklearer Energiegewinnung. Nur dass sie nach dem scheinbar endgültigen Ausstiegsbeschluss der rot-grünen Bundesregierung unter umgekehrten Vorzeichen geführt wird. Die ehrgeizigen Ziele zur Begrenzung der Erderwärmung bringen die Atomkraftgegner mit einem Mal in die Defensive. Die Union drängt im Gleichklang mit der Stromindustrie auf eine Verlängerung der Kraftwerkslaufzeiten, die Mehrheit der Bevölkerung bewertet den Zeithorizont zum Atomausstieg angesichts explodierender Energiepreise als unvernünftig ehrgeizig, und nun fallen mit Erhard Eppler und Hubert Kleinert auch noch Rot-Grüne der allerersten Stunde um. Den Tabubrechern ist die mediale Aufmerksamkeit gewiss. So gewiss wie die Querschießer die Reihen von SPD und Grünen gegen ein Aufweichen des Jahrzehnte lang erkämpften Atomkonsenses schließen werden. Mit dieser Konfrontationsstellung können alle Parteien bis zur Bundestagswahl bestens leben. Die Union hat einen Punkt gefunden, an dem sie die vermeintliche Weltfremdheit von SPD und Grünen festmachen kann, während die beiden ehemaligen Bündnispartner endlich wieder ein Thema haben, das die Aufmerksamkeit auf sie selbst und von der Linken weg lenkt. Natürlich können die Grünen nicht eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken in ihr Wahlprogramm aufnehmen. So wie es unabhängig von jeweiligen parteipolitischen Traditionen grundsätzlich falsch wäre, den Königsweg gegen Energiekrise und Klimakatastrophe in der Atomkraft zu sehen. Die Begrenztheit der Uranvorräte, die weltweit ungelöste Frage der Endlagerung und die Gefahr von Atom-Terrorismus schließen dies aus. Dass wir aber in Deutschland moderne Kraftwerke 20 Jahre früher abstellen als dies in der Welt um uns herum geschieht, ist angesichts der Energieknappheit nicht verantwortbar. Sollten die Grünen nach der kommenden Bundestagswahl zurück in die Verantwortung kommen, werden sie dies ebenso einsehen müssen, wie sie in ihrer ersten Regierungsbeteiligung ihre pazifistische Wurzel kappen mussten.

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