Westdeutsche Zeitung

Westdeutsche Zeitung: Banken geben Schuld an Finanzmisere zu = von Ingo Faust

Düsseldorf (ots) - Die weltweit 380 führenden Finanzinstitute haben auf 200 Seiten Dutzende von Verbesserungsvorschläge gemacht und diese als Verhaltenskodex für künftige Finanzkrisen in Washington vorgestellt. Kritiker sehen darin lediglich den Versuch, schärferen Kontrollen von staatlichen Regulierungsbehörden auf freiwilliger Basis zu entgehen. Der Präsident der internationalen Bankenorganisation IIF, der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, weist dies zurück. Die Branche will sich nicht selbst regulieren. Das wäre ja so, als ob man Frösche zum Trockenlegen von Sümpfen einsetzen würde. Aber ein "Geschmäckle" bleibt. Die großen Geldinstitute wollen zumindest, dass nach einem Jahr Ruhe am Markt einkehrt. Die globale Finanzmisere, ausgelöst durch die Subprime-Krise in den USA, erschüttert bis heute tief das früher so mächtige Banken-Business. Mit ihren gesenkten Kreditstandards, mit denen Kunden zu Geld kamen, das sie nie hätten zurückzahlen können, hat die Gier nach kurzfristigen Gewinnen in der Branche die Oberhand gewonnen. Das geben die Banken inzwischen zu. Manche glauben, das dicke Ende werde mit dem Zusammenbruch von US-Hypothekenbanken erst noch kommen. Bereits heute sind dreistellige Milliardenverluste rund um den Globus zu beklagen. Mit einem von Banken einzurichtenden Frühwarnsystem sollen solche Krisen künftig verhindert werden. Das dürfte schwierig werden, denn jede Krise kennt auch Gewinnler, die kaum offen Auskunft über anfällige Produkte oder Märkte geben dürften. Auch die heutigen Vergütungssysteme, nach denen der risikofreudigste Zocker das meiste Geld verdient, sollen angepasst werden - ein ebenso schwieriges Unterfangen. Der Bank-Vorstand soll den "Risikoappetit" des jeweiligen Instituts vorgeben. Was für eine Aufgabe, haben doch Institute wie die angeschlagene IKB die Papiere, die sie eingekauft hatten, wohl selbst nicht durchschaut. Ein freiwilliger Kodex und ein allgemeiner Appell zum Wohlverhalten können eine feine Sache sein. Häufig führt das aber nicht zum Erfolg, zumal wenn es wie im Bankensektor um viel Geld geht. Die Regeln müssten schon Behörden oder Notenbanken vorgeben. Und sie streng überwachen. Auch wenn damit eine neue Finanzkrise nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann. Pressekontakt: Westdeutsche Zeitung Nachrichtenredaktion Telefon: 0211/ 8382-2358 redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de Original-Content von: Westdeutsche Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Das könnte Sie auch interessieren: