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Westdeutsche Zeitung: Der Streik-Schock zur Haupturlaubszeit = Von Martin Vogler

    Düsseldorf (ots) - Probleme, Störungen, Flugausfälle - so knapp beantwortete gestern Lufthansa-Personalvorstand Lauer die Frage, was der Abbruch der Verhandlungen mit Verdi denn bedeute. Wenn pünktlich zur Hauptferienzeit das Boden- und Kabinenpersonal der größten deutschen Fluglinie streikt, ist das nicht der einzige Konflikt in der Branche. Denn auch die Tarifauseinandersetzung von Piloten mit Tochterfirmen der Lufthansa, wegen der am vergangenen Montag immerhin 641 Flüge ausfielen, dürfte weitere Störungen bringen. Die Passagiere, die sowieso schon unter steigenden Preisen leiden, blicken kummervoll in die Zukunft. Allerdings gibt es auch einen Grund, weshalb alles nicht so schlimm kommen könnte, wie es der Lufthansa-Vorstand sieht. Denn Verdi vertritt nur eine Minderheit des Boden- und Kabinenpersonals. Die Mehrheit ist bei einer Gruppierung namens Ufo organisiert, die einen bis Ende des Jahres gültigen Vertrag hat. Daraus ergeben sich zwei Aspekte: Die Ufo-Leute dürfen und wollen sich an Verdi-Streiks gar nicht beteiligen, so dass die Wirkung eines Ausstands eventuell gering bliebe. Andererseits dürfte die Menge der Interessenvertretungen die Gespräche verkomplizieren. Bahnkunden haben Vergleichbares ja in leidvoller Erinnerung. Zudem ist die Lufthansa wohl auch gar nicht daran interessiert, jetzt isoliert mit Verdi abzuschließen. Ihr erschiene sicherlich eine gleichzeitige Einigung mit beiden Arbeitnehmerorganisationen erstrebenswert, was erst zum Jahreswechsel möglich ist. Für Passagiere bleibt die Situation noch lange unkalkulierbar. Diese Verunsicherung kann zu niedrigeren Buchungszahlen führen. Die sowieso unter Kostendruck stehenden Airlines würden folglich Flüge streichen. Oder sie rekrutieren ihr Personal künftig noch stärker als bisher billiger über ausländische Töchter, was ja in einer hochmobilen Branche leichter als anderswo ist. Wenn sich die Streiks länger hinziehen, laufen gerade in diesem Fall die Beschäftigten Gefahr, im Endeffekt ihre eigenen Jobs wegzustreiken. Andererseits ist es verständlich, dass auch sie auf einen Inflationsausgleich oder mehr drängen. Entscheidend wird weniger sein, wie hoch die Abschlüsse exakt ausfallen, sondern dass bald Ruhe einkehrt. Vernunft ist gefragt.

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