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Westdeutsche Zeitung: Konjunktur = von Martin Vogler

    Düsseldorf (ots) - Wir lieben Rekorde. Eigentlich. Bei Benzin- und Ölpreisen ist das anders, die haben wieder eine absolute Höchstmarke geknackt. Das mögen wir nicht, genauso wie uns ein 15-Jahres-Rekord der Inflationsrate Angst macht. Sind das Anzeichen, dass die Weltwirtschaft und vor allem die Konjunktur in Deutschland kippen? Man kann das so deuten. Die Finanzprofis haben das gestern weltweit offenbar ähnlich interpretiert. Sie verkauften Aktien, die Kurse gaben deshalb deutlich nach. Allerdings blieb der freie Fall aus - speziell in Deutschland blieb alles sehr moderat. Die Botschaft der Börsianer, die ja mit ihren Kursen wirtschaftliche Entwicklung oft vorausnehmen, kann man so formulieren: Wir müssen uns Sorgen machen, aber keine Panik haben. Sorgen vor allem, weil die Preise für Energie in absehbarer Zeit nicht sinken, wohl eher noch steigen werden. Zu groß ist die Nachfrage, vor allem auch wegen des Aufschwungs in ehemaligen Entwicklungsländern. Außerdem gibt es eine in den Auswirkungen eher schwierige Verbindung zwischen Dollar und dem in dieser Währung gehandelten Ölpreis: Wenn der Ölpreis sänke, würde wahrscheinlich der Dollarkurs steigen. Für uns, die wir im Euro-Raum wohnen, würde sich also nichts verbessern. Ähnlich besorgt muss man die wachsende Inflation in allen Bereichen sehen. Wir kennen sie überwiegend als Begleiterin von Boomjahren. Da nimmt man sie irgendwie in Kauf. Wenn aber, so wie es jetzt droht, wirtschaftliche Stagnation mit Inflation zusammen trifft - Stagflation also - dann gibt es kaum Reaktionsmöglichkeiten. Normalerweise erhöhen die Zentralbanken zur Inflationsbekämpfung die Leitzinsen. In wirtschaftlich schwachen Zeiten geht das aber nicht, weil man das bisschen Konjunktur abwürgen würde. Das kann schwierig werden. Doch trotz dieser Aspekte: Wir können mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft blicken. Was auch für Anleger gilt, die in Aktien oder Fonds investiert haben. Wenn diese sich jetzt verunsichern lassen und verkaufen, werden sie es spätestens 2009 bereuen. Denn wenn sie dann doch wieder Aktien erwerben, leiden sie unter den schlechteren Rahmenbedingungen der neuen Zinsabschlagssteuer. Das Motto heißt: Ruhe bewahren.

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