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Westdeutsche Zeitung: Wir brauchen mehr Kinderbetreuung = von Wibke Busch

    Düsseldorf (ots) - Männer und Frauen sind gleichberechtigt - so steht es in Artikel 3 des Grundgesetzes. Doch wie geduldig Papier manchmal selbst bei den Grundrechten ist, zeigen die neuesten Zahlen aus Brüssel. Danach liegt Deutschland beim Lohnunterschied von Frauen und Männern im EU-Vergleich in der Schlussgruppe, gleichauf mit der Slowakei, die erst seit vier Jahren EU-Mitglied ist. Noch schlechter schneiden allein Estland und Zypern ab. Wie peinlich für ein Land, dass sich sonst doch so gerne als Motor der Europäischen Union versteht. Die Gründe für den großen Unterschied bei der Entlohnung von Männern und Frauen sind vielfältig - und sie zeigen einen großen Handlungsbedarf auf. So wählen heute immer noch mehr als 70 Prozent der jungen Frauen einen von 20 frauentypischen Berufen aus, in denen Verdienstperspektiven und Aufstiegschancen schlechter sind als in Bereichen, die von Männern dominiert werden. Und das obwohl sie oft weitaus bessere Schulabschlüsse vorweisen können als ihre männlichen Klassenkameraden. Hier sind Elternhaus und Schulen gefordert, Mädchen über die große Vielfalt der Berufswahl zu informieren, sie auch für technische Berufe zu begeistern, wenn sie Talent dafür zeigen. Das weitaus größte Problem in Deutschland bleiben aber die fehlenden Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Frauen kehren deshalb nach der Elternzeit oftmals nicht in eine Vollzeitstelle zurück und verdienen daher weniger. Am geringsten fällt der Lohnunterschied dagegen bei den Frauen aus, die nach einer Babypause schnell und mit einer hohen Stundenzahl in den Beruf zurückkehren, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zeigt. Wer also die Gleichberechtigung auch beim Lohn verbessern will, der muss die Kinderbetreuung deutlich ausbauen - und zwar sowohl bei den Kleinkindern als auch bei den Schulkindern. Es ist gut, dass die Politik das mittlerweile erkannt hat. Weil sie es aber hierzulande im Vergleich zu anderen EU-Ländern wie Frankreich zu spät erkannt hat, muss die Schlagzahl erhöht werden. Das heißt nicht, dass sich jetzt jede junge Frau in Deutschland für Kind und Karriere entscheiden muss. Aber jede junge Frau sollte endlich die Möglichkeit haben, wählen zu können.

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