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Westdeutsche Zeitung: Der UN-Welternährungsgipfel in Rom muss einen Neuanfang wagen = Von Christoph Lumme

    Düsseldorf (ots) - Flüchtlingsströme, Barrikaden und Revolten: Die Hungerkrise wächst sich zu einer globalen Katastrophe aus. Allzu lange haben sich die Industrieländer der Illusion hingegeben, Hungersnöte brächen am anderen Ende der Welt wie Naturkatastrophen über die Menschen herein. Und allzu lange hatte man in blinder Fortschrittsgläubigkeit darauf vertraut, Gentechnik und moderne Anbaumethoden würden die wachsende Weltbevölkerung künftig schon satt machen. Tatsächlich aber ätzte sich der Hunger immer tiefer in die Wirklichkeit des globalen Dorfs, was nichts mit Schicksal, viel aber mit verfehlter Politik, grenzenloser Machtgier, nationalem Egoismus und der kalten Rationalität entfesselter Märkte zu tun hat. Die Staatenlenker dieser Welt stehen vor den Trümmern ihrer Entwicklungspolitik, die in den vergangenen 20 Jahren im besten Fall halbherzig und naiv, im schlechtesten Fall verlogen und kontraproduktiv war. Aufgerüttelt von der Aussage des ehemaligen UN-Sonderbeauftragten Jean Ziegler, die explodierenden Lebensmittelpreise kämen einem "stillen Massenmord" gleich, steht die internationale Gemeinschaft nun auf dem UN-Gipfel in Rom unter extremem Erfolgsdruck. Diesmal muss sie in einer schonungslosen Analyse das Geflecht der Ursachen benennen, will sie verhindern, dass sich die gegenwärtige Krise zum globalen Albtraum auswächst. Wer heute Entwicklungshilfe neu definieren will, muss über den Biosprit-Wahn der Industrieländer sprechen, der das Getreide der Armen verknappt. Der muss darüber sprechen, dass künftig keine Prestige-Projekte mehr, sondern Kleinbauern ins Zentrum der Hilfe rücken. Der muss die Verursacher und Opfer der Klima-Katastrophe beim Namen nennen. Der muss nach Wegen suchen, die siechen Märkte der Entwicklungsländer gegen internationale Nahrungsmittel-Spekulanten zu schützen. Und der muss sich Gedanken darüber machen, wie sich das Chaos der Eigeninteressen auf der nördlichen Erdhalbkugel in eine langfristig ausgerichtete, globale Hilfspolitik verwandeln lässt. Denn das dürfte inzwischen jedem klar sein: Scheckbuch-Samaritertum wird niemandem helfen - außer den korrupten Diktatoren des Südens.

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