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Westdeutsche Zeitung: Der Telekom-Skandal und seine Folgen - Das Vertrauen ist verspielt = Von Annette Ludwig

Düsseldorf (ots) - Telekom-Chef René Obermann trat gestern die Flucht nach vorne an. Er engagierte einen ehemaligen Richter am Bundesgerichtshof, der nun ein neues Datensicherheitskonzept für die Telekom entwickeln soll. Damit wählt er einen ähnlichen Weg wie der Discounter Lidl, der unlängst nach der Überwachungs-Affäre den früheren Bundesdatenschutzbeauftragten Joachim Jacob verpflichtete. Doch was ist eigentlich in den vermeintlichen Vorzeige-Konzernen Deutschlands los, dass solche Maßnahmen überhaupt notwendig sind? In jüngster Zeit jagt ein Skandal den nächsten: VW lässt die Puppen tanzen, Siemens schmiert Geschäftspartner, Lidl und Burger King überwachen ihre Mitarbeiter. Und jetzt setzt die Telekom mit ihrer Spitzelaffäre noch einen obendrauf. Für den ohnehin schwächelnden rosa Riesen, dessen größter Aktionär immer noch der Bund ist, wird der Fall zum Fiasko. Jeder, der mit sensiblen Daten der Kommunikation sein Geld verdient, muss absolut vertrauenswürdig sein. Wer wann mit wem telefoniert hat, das dürfen allenfalls staatliche Ermittler überprüfen. Doch nun müssen sich Millionen von Kunden fragen, ob ihre Daten bei der Telekom noch sicher sind. Inzwischen steht der Vorwurf im Raum, dass die Telekom sogar Bankdaten ausspioniert und Bewegungsprotokolle erstellt haben soll. Der Ex-Monopolist hat sein wichtigstes Kapital verloren - das Vertrauen von Kunden und Anlegern. Die Häufung der Skandale bei deutschen Unternehmen legt nahe, dass der neuen Generation in den Vorstandsetagen Profitmaximierung offenbar wichtiger ist als das Gesetz. Ethik und Moral? Fehlanzeige. Hier droht in kürzester Zeit viel von dem zerstört zu werden, was in den vergangenen Jahrzehnten an Unternehmenskultur in Deutschland aufgebaut worden ist. Inzwischen mischt sich auch die Politik ein und fordert eine Verbesserung des Datenschutzes. Doch eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft oder gesetzliche Maßnahmen werden nicht viel helfen. Rechtsänderungen führen nicht unbedingt dazu, dass das Recht nicht gebrochen wird. Vielmehr muss bei den hochbezahlten Top-Managern ein Umdenken einsetzen. Und eine schnelle Aufklärung, wie René Obermann sie versprochen hat, könnte den Schaden immerhin begrenzen. Pressekontakt: Westdeutsche Zeitung Nachrichtenredaktion Telefon: 0211 / 8382-2358 redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de Original-Content von: Westdeutsche Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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