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Westdeutsche Zeitung: Die Spitzel-Affäre erschüttert nicht nur die Telekom = Von Martin Vogler

Düsseldorf (ots) - Gab es auch zu Hause noch Krach? Denn die Fernsehmoderatorin Maybrit Illner, Partnerin des Telekom-Chefs Obermann, hat bestimmt nicht amüsiert auf die Spitzel-Affäre des von ihm geführten Konzerns reagiert, bei dem ja neben eigenen Managern und Aufsichtsräten vor allem Journalisten die Opfer waren. Doch private Diskussionen sind für den Telekom-Vorstandsvorsitzenden sicherlich nur ein kleiner Teil des Problems. Denn der Schaden ist in dreifacher Hinsicht riesig: 1. Für die Telekom selbst. Sie kämpft sowieso in einem schwierigen Markt und erleidet jetzt einen riesigen Image- und Vertrauensverlust. Allein im ersten Quartal 2008 hat sie schon wieder 582 000 Festnetz-Anschlüsse verloren. Wer bei ihr blieb, tat dies auch wegen des Vertrauens zum alten Staatsbetrieb. Dieser Bonus ist jetzt endgültig weg. Welch rasante Talfahrt der Telekom nun bevorsteht, kann man heute wirklich nur ahnen. 2. Die deutsche Wirtschaft insgesamt ist geschädigt, weil sie ein weiteres Stück ihres einstigen Saubermann-Images verliert. VW, Siemens und andere deutsche Unternehmen standen früher für Solidität. Heute assoziieren viele damit eher Korruption und Sittenverfall, verbunden mit Klischees von skrupellosen Zocker-Managern. Und jetzt auch noch die Telekom! 3. Die politischen Folgen: Seit Januar spielt die Telekom eine Art Hilfspolizist des Staates, weil Telekommunikationsunternehmen die technischen Daten aller Verbindungen sechs Monate lang speichern müssen. Frage: Wenn schon die Telekom als Vorzeigeunternehmen, bei dem der Bund Hauptaktionär ist, bewiesen hat, dass sie mit solchen technischen Möglichkeiten nicht verantwortungsvoll umgehen kann, was geschieht dann bei anderen Firmen? Auf jeden Fall wird eine erbitterte neue Datenschutz-Debatte beginnen. Leid tun kann einem René Obermann. Er muss die Folgen für etwas ausbaden, das er offensichtlich nicht zu verantworten hat. Bislang scheint er sogar alles richtig gemacht zu haben, indem er etwa bei seinem Amtsantritt 2006 gleich die Verantwortung für die "Spionageabteilung" Konzernsicherheit übernahm, womit die Bespitzelungen endeten. Jetzt informierte er sofort den Staatsanwalt und will für Aufklärung sorgen. Richtig so. Pressekontakt: Westdeutsche Zeitung Nachrichtenredaktion Telefon: 0211/ 8382-2358 redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de Original-Content von: Westdeutsche Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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