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Westdeutsche Zeitung: Wenn Arbeiter zu Kapitalisten werden = von Martin Vogler

    Düsseldorf (ots) - Wenn Arbeitnehmern ein Stückchen der Firma gehört, hat sich nicht der Kommunismus durchgesetzt. Auch Anarchie bricht nicht aus. Denn der jeweilige Anteil wird sich im Promillebereich bewegen. Daraus kann kein Beschäftigter Machtansprüche ableiten. Aber ein wenig mehr Identifikation mit dem Betrieb, die dürfte es schon geben. Was ja dem Grundgedanken der Mitarbeiterbeteiligung entspricht, der den klassisch gelehrten Gegensatz von Kapital und Arbeit aufheben will. Insofern ist klar: Teilziel erreicht, doch Risiken bleiben. Vor allem bedeutet Beteiligung nicht nur Geldsegen, sondern auch geteiltes Risiko. Bis hin zur Firmenpleite. Im Extremfall sind dann nicht nur der Job, sondern auch der finanzielle Einsatz weg. Deshalb ist es nachzuvollziehen, wenn als Alternative zur direkten Beteiligung an einem bestimmten Unternehmen auch Branchenfonds angeboten werden. Das macht die Sache weniger riskant. Andererseits verwässern Branchenfonds die Grundidee der Beteiligung. Außerdem gibt es bei Fonds keine Unternehmenschefs, die mit - jetzt möglichen - attraktiven direkten Zuwendungen an den einzelnen Beschäftigten die neue Regelung erst richtig attraktiv machen. So gesehen ist fraglich, ob das neue Konzept zur Wunderwaffe für eine gerechtere Arbeitswelt wird. Bei allem Wohlwollen: Die Mitarbeiterbeteiligung ist wieder ein Stück mehr Bürokratie, die Kosten verursacht und die Menschen verwirrt. Sollen sie da jetzt mitmachen? Oder lieber eine Riesterrente abschließen? Und was ist mit den gewohnten vermögenswirksamen Leistungen? Was ist mit jenen, die sich schon auf eine gute betriebliche Zusatzversorgung freuen können? Fragen über Fragen - und die meisten werden überfordert sein. Schade. Denn Altersvorsorge ist extrem wichtig. Wer es finanziell kann, sollte sich intensiv darum kümmern. Und wenn der Staat mit Förderung dabei hilft, um so besser. Allerdings könnte er das einfacher haben, als mit immer wieder neuen Erfindungen der Art Mitarbeiterbeteiligung. Er müsste einfach den Sparerfreibetrag erhöhen, statt ihn wie geschehen zu reduzieren und mit den verschärften Bestimmungen im Rahmen der Abgeltungssteuer ab kommendem Jahr die individuelle Vorsorge noch mehr zu erschweren.

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