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Westdeutsche Zeitung: Hamburger Bündnis = von Wibke Busch

    Düsseldorf (ots) - Manchmal wird Geschichte ganz still und heimlich geschrieben. So geschehen in Hamburg, wo sich CDU und Grüne in den vergangenen Wochen überraschend unaufgeregt das erste gemeinsame Bündnis auf Landesebene erarbeitet haben. Umso heftiger waren die Reaktionen auf der Bundesebene. Die stille Revolution löste ein heftiges Nachbeben in Berlin aus. Ein bisschen erinnert die Aufregung an die Tragödie von Romeo und Julia - eine ungewöhnliche Liebe stößt in der Verwandschaft auf großes Entsetzen. Das ist teilweise verständlich. Schwarz-Grün birgt für beide Parteien das Risiko, Wähler zu verlieren. Bei der CDU sind es streng konservative und wirtschaftsnahe Wähler, denen angesichts von Schwarz-Grün der Schrecken in die Glieder fährt. Nicht umsonst kommen die lautesten Proteste aus der CSU mit einer überwiegend in ländlichen Regionen beheimateten Wählerschaft, während der CDU-Politiker Pflüger aus der Metropole Berlin in Schwarz-Grün eine Zukunftsoption sieht. Bei den Grünen rebellieren derweil die Linken und warnen davor, dass die Partei ihre Glaubwürdigkeit verliere - zumal die Linkspartei verschreckten Wählern eine neue Heimat bietet. Die Vorteile, die sich aus einem Gelingen der Koalition ergäben, überwiegen aber für beide Parteien. Die Grünen würden 25 Jahre nach ihrem ersten Einzug in den Bundestag ihre Machtoptionen erweitern und damit die Chancen erhöhen, im neuen Fünf-Parteien-System an die Macht zurückzukehren. Das könnte sich angesichts der derzeit desolaten Lage der SPD nach der Bundestagswahl als genialer Schachzug erweisen. Die Union erhält eine neue Perspektive, um aus der ungeliebten Großen Koalition auszubrechen. Zugleich öffnet sie sich für Wählerschichten im großstädtischen Milieu, bei denen sie bislang nur schwer Fuß fassen konnte. Im für die Union besten Fall könnte die Ehe an der Elbe zum Katalysator für Jamaika in Hessen werden. Hamburg ist das optimale Labor für das schwarz-grüne Experiment - eine Großstadt, geprägt durch hanseatischen Pragmatismus, mit einem liberalen CDU-Bürgermeister. Und wenn die Liebesgeschichte doch tragisch endet - dann war es halt doch nur ein Versuch in einem Stadtstaat.

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