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Westdeutsche Zeitung: Olympischer Fackellauf = von Markus Haegert

    Düsseldorf (ots) - Das olympische Feuer ist ein Symbol für Frieden und Verbundenheit zwischen den Völkern. Wer erzwingt, dass es erlischt, gibt das Signal zu Zwist und Gewalt. Die Menschen, die gestern den Fackellauf durch Paris störten, haben deshalb das Gegenteil dessen erreicht, was sie bezweckt hatten. Wer für die Freiheit Tibets einsteht und gegen das gewalttätige Vorgehen Chinas in der Provinz protestiert, muss dies friedlich tun. Plakate: ja - Straßenblockaden: nein. Die Szenen in London und Paris, wo Tausende Sicherheitskräfte einen einzigen Fackelläufer eskortieren und Demonstranten - leider ebenfalls mit Gewalt - zurückhalten mussten, wirkten bizarr. Sie spielen der Propaganda der chinesischen Staatslenker in die Karten. Die wollten der Welt den längsten Fackellauf der Geschichte als Lauf der Harmonie präsentieren. Diese Harmonie wurde gestört, China stellt sich nun als Opfer dar. Ein Blick in die Zukunft: Soll die Welt im August die Tibet-Krise totschweigen zu Gunsten von Brot und Spielen, Menschenrechtsverletzungen und staatliche Zensur unkommentiert bleiben? Die Antwort lautet ganz klar: nein. Olympische Spiele sind eine Plattform für politische Meinungsäußerungen. Wer das ausblendet und Sport im luftleeren Raum sieht, erkennt die Realität nicht. Humanitäre Organisationen sollen auf die Missstände im Reich der Mitte aufmerksam machen. Westliche Journalisten müssen versuchen, objektiv aus dem Gastgeberland der Spiele zu berichten. Allen Widerständen, die sie vor Ort erwarten müssen, zum Trotz. Und Sportlern muss es gestattet sein, ihre politische Meinung frei auszudrücken, wenn sie es denn wollen. Was aber, wenn auch rund ums Olympiastadion in Peking aus Protest Gewalt wird, es im schlimmsten Falle zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Staatspolizei kommt? Tibet wäre damit nicht geholfen. Olympische Spiele sind kein Ersatz für Politik. Sie taugen also auch nicht als "Intensivkurs Demokratie" für ein Unterdrücker-Regime. Friedliche Wettkämpfe in den Arenen und der strenge Blick der Weltöffentlichkeit können allerdings auf lange Sicht den Anstoß zu einer freiheitlichen Entwicklung geben. Allein das wäre bereits eine Sensation.

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