Westdeutsche Zeitung

Westdeutsche Zeitung: Klimaschutz funktioniert nicht ohne Verzicht = Von Stefan Küper

Düsseldorf (ots) - Also doch: Was der ADAC schon vor Monaten befürchtete, hat sich nun bewahrheitet. Die ursprünglichen Prognosen der Automobilhersteller waren das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben standen. Mehr als drei Millionen ausländische Fahrzeuge können den Biosprit nicht vertragen. Die höhere Beimischungsquote ist vom Tisch. Für Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) ist das der zweite dicke Reinfall nach dem Skandal um schadhafte Diesel-Rußfilter. Und es ist ein denkbar schlechter Start in die Umsetzung des Klimaschutzpakets der Bundesregierung. Der Vorfall zeigt, auf welch dünnem Eis die gesamte Planung gebaut ist. Was passiert zum Beispiel, wenn die Öko-Energie-Branche in einigen Jahren feststellt, dass die angepeilte 30-Prozent-Deckung des Strombedarfs bis 2020 nicht zu schaffen ist? Die Klimaziele der Bundesregierung wären nicht mehr zu halten, der stolze Klimaschutz-Vorreiter säße plötzlich auf einem lahmenden Gaul. Dass die Union Gabriel nun unter Beschuss nimmt, ist scheinheilig. Schließlich war es auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die auf EU-Ebene dafür gekämpft hatte, den Autoherstellern das Erreichen der neuen CO2-Grenzwerte mit Biosprit-Beimischung zu erleichtern. Und es war die Union, der die Biosprit-Quoten gar nicht hoch genug sein konnten. Warnungen von Wissenschaftlern, dass der Umstieg dem Klima in den meisten Fällen eher schadet als nützt, wurden bewusst überhört. Denn Biosprit suggerierte: Klimarettung klappt auch ohne sparsame Autos, ohne wirtschaftliche Fahrweise, kurz: ohne Verzicht. So funktioniert Klimaschutz ganz sicher nicht. Für die deutsche Automobilindustrie bedeutet der Wegfall der höheren Biosprit-Quote, dass sie bei der Fahrzeugtechnik deutlich mehr tun muss, um die EU-Grenzwerte zu erreichen. Dass das technisch möglich ist, beweisen Hersteller im Ausland schon seit Jahren. Doch die deutschen Autobauer setzen bisher lieber auf "groß, schnell, PS-stark" - und damit auf klimaschädigend. Sie werden alles versuchen, die Quoten mit geballter Lobbyarbeit weichzuspülen. Andere Länder haben zuerst ihre Autofahrer mit Strafsteuern auf dicke "PS-Monster" zum Umdenken bewegt. Die Autoindustrie folgte zügig. Wetten, dass das auch in Deutschland funktionieren würde? Pressekontakt: Westdeutsche Zeitung Martin VWestdeutsche Zeitung Nachrichtenredaktion Telefon: 0211 / 8382-2358 redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.deogler Telefon: 0211/ 8382-2373 martin.vogler@westdeutsche-zeitung.de Original-Content von: Westdeutsche Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Westdeutsche Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren: