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Westdeutsche Zeitung: Transrapid = von Frank Uferkamp

Düsseldorf (ots) - Das Aus für den Transrapid kommt nicht mehr überraschend. Außer der CSU-Landesregierung hat wohl niemand mehr geglaubt, dass in München das finanzierbar wäre, was schon in NRW nicht darstellbar war: eine bezahlbare Magnetschwebebahnstrecke in Deutschland. Der Faszination der Technik sind mit Wolfgang Clement (NRW/SPD) und Edmund Stoiber (Bayern/CSU) zwei in mancherlei Hinsicht sehr ähnliche Politiker-Typen erlegen, die über ihre Macher-Attitüde durchsetzen wollten, was nicht realistisch war. Immerhin: Stoiber hat dem Schwebezug mit seinem Stammelvortrag ein dauerhaftes Spott-Denkmal gesetzt. Clement war da klarer: "Das ist gut und schnell. Das müssen wir haben." Beide sind gescheitert. Ihre Mega-Ideen mussten ihre Nachlassverwalter Peer Steinbrück und Erwin Huber beerdigen. Clement und Stoiber wurden auch von der Industrie alleine gelassen. Weder Siemens noch Thyssen-Krupp waren oder sind bereit, ein finanzielles Risiko zu tragen. Die weltweit einzig kommerziell genutzte Transrapid-Strecke bleibt also auf lange Zeit die in Schanghai. Dort gibt es freilich keine öffentlich transparente Kosten-Nutzen-Rechnung. Der allmächtige Staat leistet sich dort dieses High-Tech-Spielzeug, er muss sich nicht um Umweltschutzauflagen oder lästige Journalistenfragen nach Nutzen und Frommen der Linie herumschlagen. Dort werden im Zehn-Minuten-Takt die zahlreichen Passagiere transportiert - zu einem Preis, der nichts mit den Kosten zu tun hat. Das konnten sich in Deutschland weder der Bund noch die Länder Bayern oder NRW leisten. Das System Transrapid ist für Deutschland in dem Augenblick tot gewesen, als die große Strecke zwischen Hamburg und Berlin abserviert war. Auf der langen Strecke wäre der Superzug der bessere ICE gewesen, hätte viele Inlandsflüge überflüssig gemacht und mit dem zu erwartenden Erfolg die hohen Investitionskosten gerechtfertigt. Das war unter dem Ex-Kanzler Gerhard Schröder nicht gewollt, danach kamen nur noch unrealistische Blütenträume, die den 400-Stundenkilometer-Zug auf eine rasende Straßenbahn reduzierten. Jetzt hat die CSU in Bayern ein Problem mehr, Deutschland aber ist um eine Illusion ärmer. Aber Illusionen müssen bezahlbar sein. Pressekontakt: Westdeutsche Zeitung Nachrichtenredaktion Telefon: 0211/ 8382-2358 redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de Original-Content von: Westdeutsche Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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