Westdeutsche Zeitung

Westdeutsche Zeitung: Nach dem Hessen-Debakel ist der SPD-Chef rücktrittsreif - Kurt Becks Salami-Super-GAU = Von Alexander Marinos

Düsseldorf (ots) - Eigentlich ist die Unterscheidung zwischen einem GAU und einem Super-GAU nicht sinnvoll. Ein "größter anzunehmender Unfall" lässt sich nicht mehr steigern - eigentlich. Gestern allerdings wurden wir Zeugen eines politischen Vorgangs, den man als GAU bezeichnen muss, und der zugleich einen Super-GAU zumindest vorerst verhindert hat. Indem Hessens SPD-Frontfrau und Ex-Flugbegleiterin Andrea Ypsilanti kurz vor dem Aufprall die Reißleine zog, verhinderte sie ihr vorzeitiges politisches Aus. Und auch SPD-Chef Kurt Beck wird am Montag, wenn er sich nach seiner Krankheit erstmals wieder der Öffentlichkeit stellt, wohl kaum seinen Rücktritt erklären. Schwer angeschlagen sind beide aber dennoch. Mit ihrer linken Nummer hat Ypsilanti sich in kurzer Zeit von der strahlenden Wahlsiegerin zur als "Lügilanti" verspotteten Buh-Frau der Nation entwickelt. Wer wie sie politische Skrupellosigkeit mit taktischer Stümperei verbindet, empfiehlt sich nicht für Staatsämter. Auch Becks Ansehen in der Bevölkerung und seine innerparteiliche Autorität sind nachhaltig zerstört. Als Kanzlerkandidat kommt jemand, dem nur 15 Prozent der Wähler noch Glaubwürdigkeit attestieren, nicht in Frage. Vielleicht erkennt er bald selbst, dass er dann konsequenterweise auch den SPD-Vorsitz abgeben sollte. Das wäre dann so eine Art Salami-Super-GAU. Aber wie fast immer steckt in jeder Krise eine Chance: Die mutige Dagmar Metzger aus Darmstadt hat vorgemacht, dass sich Aufrichtigkeit und Standfestigkeit durchsetzen. Ihre Vorgabe, nicht mit einer Partei paktieren zu wollen, deren Vorläufer-Organisation für Mauerbau und Schießbefehl verantwortlich war, könnte beispielgebend für alle Sozialdemokraten sein. Auch die FDP lernt dazu. Zwar wird sie sich in Hessen jetzt nicht auf die SPD zubewegen können. Nachdem die CDU sich aber ohne Skrupel in Hamburg auf eine Koalition mit den Grünen einlässt, wächst die Bereitschaft bei den Liberalen täglich, anderswo mit SPD und Grünen Ampelkoalitionen einzugehen. Fehlt nur noch, dass CDU-Wahlverlierer Koch geht und so den Weg freimacht für eine Große Koalition. Eine dauerhafte geschäftsführende Regierung ohne Mehrheit wäre für Hessen - ja was? Genau: der Mega-GAU! Pressekontakt: Westdeutsche Zeitung Nachrichtenredaktion Telefon: 0211 / 8382-2358 redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de Original-Content von: Westdeutsche Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Westdeutsche Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren: