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Westdeutsche Zeitung: Wolfgang Clement und die Linksöffnung der SPD = Von Martin Vogler

    Düsseldorf (ots) - Wolfgang Clement kann es nicht lassen. Die Genossen drohten ihm bereits mit Parteiausschluss, weil er den Bürgern in Hessen von der Wahl der SPD mit ihrer Kandidatin Ypsilanti abgeraten hatte. Damals begründete er seine Empfehlung noch mit deren energiepolitischen Plänen. Jetzt fährt er weitaus schärfere Geschütze auf. Er attackiert nicht nur die hessische Kandidatin, sondern die gesamte Führungsriege der SPD. Weil diese den Weg für eine Wahl Ypsilantis zur Ministerpräsidentin mit den Stimmen der Linkspartei frei machte, spricht er von Wortbruch. Sein Vokabular unterscheidet sich kaum mehr von dem der Union oder der FDP. Dem früheren NRW-Ministerpräsidenten muss klar sein, dass mit solchen Aussagen sein Rauswurf aus der Partei immer näher rückt. Was ihn offenbar nicht stört. Man kann das starrköpfig nennen. Man kann das aber auch positiv sehen: Warum sollte Clement nicht die ehrliche Sorge um die Zukunft seiner Partei umtreiben? Das Argument, mit dem linken Kuschelkurs könne die SPD im radikalen Lager wenig gewinnen, aber in der Mitte viel verlieren, hat seine Berechtigung. Mit dieser Ansicht steht er nicht alleine da, wie sich gestern in direkten Äußerungen und auch Zwischentönen zeigte. Die mögliche Links-Öffnung in Hessen, die Parteichef Beck vor der Hamburg-Wahl herausposaunte, kann der SPD am vergangenen Sonntag ein paar Prozentpunkte gekostet haben. Gravierender ist, dass sich Beck zwar mit seinem vorher nicht abgesprochenen Vorstoß durchsetzen konnte, aber damit einen Pyrrhussieg errang. Denn die Zweifel an seiner strategischen Qualität und seinem Gespür für den richtigen Zeitpunkt einer Entscheidung sind gewachsen. Allerdings ist die Nervosität der SPD angesichts des Erstarkens der Linken auch verständlich. Alle Parteien sind zu Recht alarmiert. Denn der Verdacht, dass hier eine Gruppe in ganz Deutschland Macht gewinnt, die einem überholt geglaubten Weltbild nachhängt und unser Gesellschaftssystem radikal verändern möchte, steht im Raum. Tröstlich ist nur ein Gedanke: Wahrscheinlich ist die Zustimmung in der Bevölkerung gar nicht so gewachsen, wie es scheint. Viele sind schlicht Protestwähler, die vorher gar nicht zur Urne gingen.

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