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Westdeutsche Zeitung: Siemens = von Ingo Faust

    Düsseldorf (ots) - Drei Monate lang war der neue Siemens-Chef Peter Löscher in allen Ländern der Welt unterwegs, hat mit hunderten von Großkunden und tausenden von Mitarbeitern gesprochen. Das hat den Österreicher in seiner Auffassung bestätigt: "Wir werden künftig nur noch beste und saubere Geschäfte machen." In der Grauzone und mit Kompromissen an Gepflogenheiten in manchen Ländern wird nicht mehr gearbeitet. Der "Mister Siemens" wird immer mehr zu einem Saubermann. Die Korruptionsaffären haben den Konzern sehr gebeutelt. Das milliardenschwere Lehrgeld, das der Konzern im Zuge der wohl immer noch nicht beendeten Affäre zahlen musste, wirkt. Aber dennoch kann Löscher, der quasi als Feuerwehrmann zu Siemens kam, den Turbulenzen der Vergangenheit mit täglich neuen Aufdeckungen noch Positives abgewinnen. Grundlegende Fehler im System seien aufgedeckt worden, und zwar ein für alle Mal. Und trotz der gewaltigen Aufwendungen für die Untersuchungen, an denen bis zu 1000 Menschen beratend beteiligt waren, hat Siemens noch 80 Milliarden Euro Umsatz gemacht und dabei Gewinnmargen erzielt, wie seit sieben Jahren nicht mehr. Das will Löscher, der sehr stolz darauf ist, die Verantwortung in diesem "phantastischen Unternehmen" zu tragen, auch gleich für die Zukunft festschreiben. Überall im Konzern soll die Gewinnlatte höher gelegt werden. Bei der Rendite will Siemens künftig in der Spitzenliga mitspielen. Der neue Siemens-Chef sollte dabei aber aufpassen, dass er nicht überzieht. Er muss seine 470 000 Mitarbeiter auf die Reise mitnehmen. Personalabbau anzukündigen, ohne handfeste Zahlen vorzulegen, ist stets eine sehr heikle Sache. Denn das öffnet bei Siemens erneut Türen und Tore für Gerüchte. Die Angst um den Arbeitsplatz geht in den Münchner Zentralen bereits um. Der neue Siemens-Chef Peter Löscher sollte schnellstens Fakten auf den Tisch legen und damit der Gerüchteküche den Dampf abdrehen.

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