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Westdeutsche Zeitung: Eva Herman ist nicht Eva Braun = von Alexander Marinos

    Düsseldorf (ots) - Eva Hermans Forderung, Frauen sollten lieber zu Hause bleiben und Kinder großziehen, weil es ihrer Natur entspricht, lässt sich mit einem modernen Verständnis der Geschlechterrollen nicht vereinbaren. Hermans Thesen sind ultrakonservativ oder, etwas weniger vornehm ausgedrückt, unterirdisch. Trotzdem muss man zur Kenntnis nehmen, dass Eva Herman eine Menge Anhänger hat, und das sind nicht nur alte Männer im Bischofsgewand. Schon deswegen lohnt sich die Auseinandersetzung mit ihr. Diese sollte aber, wie jeder zivilisierte Streit unter Demokraten, sachbezogen und von gegenseitigem Respekt bestimmt sein. Doch genau dazu sind viele Gegner Hermans nicht fähig. Die neueste Entgleisung ist in der "Bild"-Zeitung von gestern nachzulesen. Die tägliche Kolumne von Franz Josef Wagner ist derart primitiv, dass von dem alten Lehrsatz, man möge Kommentare nicht kommentieren, eine Ausnahme gemacht werden muss. Wagner bezeichnet Herman wiederholt als "dumme Kuh". Vielleicht sollte er mal einen Blick ins Strafgesetzbuch werfen. Dort steht im Paragrafen 185: "Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe (...) bestraft." Man kann Eva Herman neben ihrem Frauenbild viel vorwerfen: Ihre Argumentation ist krude. Ihre Formulierungen sind für eine Journalistin oft überraschend wenig akkurat. Vor allem aber lässt sie sich immer wieder zu Nazi-Vergleichen hinreißen, die man in Deutschland lieber nicht anstellt. Denn sobald es um die Hitler-Zeit geht, lösen Eklat-Lust und Empörungs-Fanatismus die Bereitschaft ab, genau zuzuhören - falls sie überhaupt je vorhanden war. Eva Herman hat die Familienpolitik der Nazis nicht verteidigt. Bis heute konnte dazu nicht ein entsprechendes Zitat von ihr vorgelegt werden. Wenn sie sagt, die deutsche Presse sei gleichgeschaltet, dann zeigt das einen leichtsinnigen Umgang mit historisch belasteten Begriffen - mehr nicht. Und dass Hitler Autobahnen hat bauen lassen, auf denen wir heute fahren - wer wollte es bestreiten? Eva Herman ist nicht Eva Braun, sie ist nicht einmal Eva Bräunlich. Sie in die Nähe von Nazis zu rücken, ist schlicht billig und sagt eine Menge aus über die politische "Kultur" der Kerners, Schreinemakers und Wagners.

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