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Westdeutsche Zeitung: Zuwanderung = von Eberhard Fehre

    Düsseldorf (ots) - Vorm Schwarzen Mann, das haben schon Generationen von Kindern gelernt, darf man sich fürchten. Und wenn der gleich 20 millionenfach über die Grenzen der Europäischen Union geholt werden soll, dann stellt sich schnell reflexhafte Abwehr ein. Doch die nackte Zahl signalisiert eine Dramatik, die in der Realität keine Entsprechung finden wird. Europa zieht Einwanderung an, und dafür sollten wir dankbar sein. Und 20 Millionen in einem Zeitrahmen von zwölf Jahren sprengen keineswegs das, was der Kontinent in den vergangen Jahrzehnten ohnehin verkraftet hat. Wir haben Zuwanderung, es hat sie immer gegeben, und es wird sie, das zeigen die Bilder von den Kanaren oder aus dem Mittelmeer, weiter geben. Es ist nicht unmoralisch oder gar unmenschlich, wenn wir diesen Zuzug zu steuern versuchen. Eine "Blue Card", wie jetzt von EU-Kommissar Frattini vorgeschlagen, kann dazu ein Mittel sein. Ziel ist, an die Stelle einer ungeordneten Zuwanderung in unsere Sozialsysteme eine kontrollierte Einwanderung in die sich selbst tragende Arbeitswelt zu setzen. Das bedeutet natürlich Selektion   nicht nach humanitären, sondern nach Nützlichkeitserwägungen. Wir sollten uns also nicht selbst belügen und glauben, die armen Teufel, die mit ihren Nussschalen zu Tausenden übers Meer kommen, stellten sich künftig brav bei Herrn Frattini an, um eine "Blue Card" zu erbitten. Sie sind zwar nach unseren Maßstäben "unqualifiziert", aber nicht blöd. Ob aber Brüssel der richtige Ort ist, Kriterien und Zahlen festzulegen, darf bezweifelt werden. Sinnvoll wird dies nur auf nationaler Ebene unter Berücksichtigung der konkreten Lage auf dem Arbeitsmarkt möglich sein. Zuwanderung braucht auch gesellschaftliche Akzeptanz. Die immer wieder beschworene "Qualifizierungsoffensive" darf kein leeres Versprechen bleiben: Wer wird einen 49-jährigen arbeitslosen Ingenieur qualifizieren, wenn er einen 28-jährigen Afrikaner zum Nulltarif frisch von der Uni bekommt? Wir brauchen - aus wirtschaftlichen Gründen - Zuwanderung. Wir dürfen aber diejenigen nicht alleinlassen, die millionenfach aus dem Arbeitsprozess herausgefallen sind. Nicht nur aus moralischen Gründen. Denn es geht dabei auch und vor allem um die Stabilität unseres Gemeinwesens.

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