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Westdeutsche Zeitung: Kampagne mit Schock-Fotos auf Zigarettenschachteln = von Martin Vogler

    Düsseldorf (ots) - Gestern in der Redaktionskonferenz: Wir betrachten Fotos, die bald Zigarettenpackungen zieren sollen. Sie sind so schockierend, dass wir mit Rücksicht auf unsere Leser entscheiden, nur gemäßigte Beispiele zu drucken. Mancher mag auch diese bereits als sehr hart empfinden. Doch für Raucher wird es richtig brutal werden. Wenn etwa der auf der Schachtel abgebildete Kehlkopf-Tumor so groß ist, dass er den gesamten Hals dahinter verdeckt, könnte der Schock sie tatsächlich vom Griff zur nächsten Zigarette abhalten. Was für sie, ihre Gesundheit und ihre Mitmenschen sehr gut wäre. Denn auch wenn sich die deutsche Politik noch windet: Internationale Studien und auch die ganz ordinäre Menschenkenntnis machen klar, dass eine solche Horror-Kampagne Wirkung hat. Sie wird nach der einfachen Formel funktionieren: Je größer und drastischer die Warnung ausfällt, desto wirksamer ist sie. Allerdings wird dieses Mittel bei zwei Gruppen nicht anschlagen. Da sind etliche Jugendliche, bei denen man mit allzu besserwisserischen Aktionen eher Widerspruchsgeist weckt  und im schlimmsten Fall das Gegenteil bewirkt. Und es gibt natürlich auch Unbelehrbare. Falls diese den Anblick der Schock-Bilder nicht ertragen wollen, stülpen sie eben ein farbenfrohes Etui über die Zigarettenschachtel, wie es nach Einführung der rein textlichen Warnhinweise auch schon viele taten. Dennoch ist der Plan zwar arg unappetitlich, aber sinnvoll. Denn Rauchen ist nun mal extrem gesundheitsschädlich. Wer argumentiert, das sei, wie etwa bei Extremsportarten, bitteschön sein individuelles Risiko, der irrt: Niemand kann ausschließen, dass er wegen einer langwierigen Krankheit nicht doch irgendwann der Allgemeinheit zur Last fällt. Außerdem kann auch der rücksichtsvollste Tabakfreund nicht vermeiden, dass er andere beeinträchtig oder gar schädigt. Die Spanne reicht von widerlicher Geruchsbelästigung bis zu Gesundheitsschäden durch Passivrauchen. Es wird also unbequemer für Tabak-Fans. Die Zahl der Rauchverbote wächst, jetzt kommen Horror-Bilder. Das ist berechtigt, aber wir sollten Augenmaß bewahren. Schock-Fotos sind in Ordnung, aber bitte keine pauschale Hetzkampagne gegen alle Menschen, die rauchen.

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