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Westdeutsche Zeitung: Pakistan = von Alexander Marinos

Düsseldorf (ots) - Mitten in Islamabad liegt die Rote Moschee, die die pakistanischen Sicherheitskräfte in Atem hält. Auf dem ersten Blick sieht es wie ein regionaler Konflikt aus, der uns nur mäßig interessieren muss. In letzter Konsequenz aber geht es um die Frage, ob muslimische Extremisten in einem Land die Macht erringen könnten, das über Atomwaffen verfügt. Das wären ganz neue Perspektiven für den El-Kaida-Terrorismus. Wir sollten uns also interessieren für die Rote Moschee sehr sogar. Staats- und Armeechef Pervez Musharraf kämpft derzeit an zwei Fronten. Am 9. März hatte er den Obersten Richter des Landes entlassen. Dieser hätte ihm den Plan durchkreuzen können, sich durch scheindemokratische Wahlen im Herbst als Präsident bestätigen zu lassen, ohne den Oberbefehl über die Armee abzugeben. Seitdem toben die Rechtsanwälte Pakistans - und mit ihnen breite Kreise der gemäßigten Mittelschicht. Eine größere Gefahr stellen freilich die fanatischen Islamisten dar, die für einen Gottesstaat kämpfen. Überall im Land gibt es Koranschulen, in denen tausenden Mädchen und Jungen der Heilige Krieg gelehrt wird. Die Rote Moschee ist da nur eine revolutionäre Keimzelle von vielen, allerdings eine besonders brisante. Schließlich gehen hier Mitglieder jenes Geheimdienstes ein und aus, der in den 90er Jahren dafür gesorgt hatte, dass die damals pakistanfreundlichen Taliban in Afghanistan an die Macht kommen konnten. Bis heute ist die Rote Moschee ein Brückenkopf der Terroristen, die in Afghanistan gegen die westlichen Truppen kämpfen. Putschgeneral Musharraf hat das lange geduldet. Bis zu einem gewissen Grad hat es ihm sogar genutzt. Denn ohne die Korankrieger in Pakistan wären die USA nicht so darauf angewiesen, eine Regierung mit vielen Milliarden Dollar zu unterstützen, die den Islamismus eindämmt. Nur ist das mit dem Eindämmen eben so eine Sache. Wird die Bewegung zu groß, lässt sie sich nur noch schwer kontrollieren. US-Präsident George W. Bush weiß das natürlich. Sein angeblicher Freund und Kumpel Pervez ist nicht nur kein Demokrat; er spielt zudem ein gefährliches Spiel. Aber weil alles, was ihm folgt, noch viel schlimmer sein könnte, wird Bush mitspielen. Hoffentlich verlieren sie nicht. Pressekontakt: Rückfragen bitte an: Westdeutsche Zeitung Nachrichtenredaktion Telefon: 0211/ 8382-2358 redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de Original-Content von: Westdeutsche Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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