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DER STANDARD-Kommentar: "Burschenschafter an der Uni - Rechte Minderheit" von Conrad Seidl

ET 30.10.2014

Wien (ots) - Farbe zu bekennen gehört zu den studentischen Traditionen - sei es nun die Farbe der Verbindung, der Sängerschaft oder der Burschenschaft, der man angehört. Dass einige dieser Couleurs mit deutschnationalem, andere mit katholisch-konservativem und wieder andere mit monarchistischem Gedankengut verbunden sind, ist bekannt -und dass solche Ideen in der Studentenschaft der Universität Wien längst nicht mehr mehrheitsfähig sind, ebenso. Verboten sind sie deswegen noch lange nicht - und das Tragen von Band und Deckel gehört zur modischen Ausdrucksfreiheit, die sich nicht per Beschluss weltverbesserungswilliger ÖH-Funktionäre verbieten lässt.

Ein solches Verbot wäre nämlich eine menschenrechtswidrige Diskriminierung: Auch Minderheiten müssen sich sichtbar machen dürfen - und für Weltanschauungen werben, die die Toleranz ihrer Mitmenschen strapazieren.

Die FPÖ tut so, als hätte sie dieses Prinzip verstanden. Sie beklagt lautstark die Diskriminierungsabsichten der linken ÖH-Führung. Und liefert gleichzeitig den Beweis, dass sie selbst Meinungsfreiheit verbieten würde, wo immer sie könnte: Gerade am Mittwoch, während die Burschenschafter an der Uni trotzig ihre Freiheit zum "Bummel" an der Uni beanspruchten, erhoben freiheitliche Politiker die Forderung, dass das Verschenken des Korans verboten werden müsste. Als ob jeder Muslim ein Islamist wäre. Es ist auch nicht jeder farbentragende Student Nazi.

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