"DER STANDARD"-Kommentar zu österreichischen Soldaten für Mali: "Auf nach Afrika" von Conrad Seidl

Ausgabe vom 4.2.2013

Wien (ots) - Nur zwei Wochen nach der Volksbefragung zur Wehrpflicht wird dem Bundesheer ein Einsatz in Mali zugemutet. Für die ÖVP ist das eine Gelegenheit, das Thema Sicherheit in Diskussion zu halten - und eine Doppelmühle zu eröffnen: Geht alles gut, dann kann ÖVP-Chef und Außenminister Michael Spindelegger darauf hinweisen, dass eine Wehrpflichtigenarmee ja doch die beste Basis für alle denkbaren Einsätze ist - obwohl natürlich kein einziger Grundwehrdiener für einen Auslandseinsatz vorgesehen ist. Und wenn es nicht klappt, dann wird man die Verantwortung auf den ungeliebten Ressortchef Norbert Darabos abwälzen. Der rote Minister im Verteidigungsressort weiß um diese Fallen - er hat aber auch die Erfahrungen des Tschad-Einsatzes, in den er ebenfalls von Spindelegger gedrängt wurde und der vom Heer sehr erfolgreich bewältigt wurde. Er weiß um die internationalen Mechanismen bei der Vorbereitung eines solchen Einsatzes, kennt auch die Profilierungsmöglichkeiten, die sich für ihn persönlich bieten. Vor allem aber weiß Darabos, dass er sich auf das Bundesheer verlassen kann. Auch wenn Experten bezweifeln, dass er ohne Weiteres zehn Mediziner mit Jagdkommando-Qualifikation nach Afrika schicken kann - der Einsatz ist durchaus chancenreich: Nach und nach entwickelt das Bundesheer neue Kompetenzen und gewinnt Ansehen - jenseits vom kleinlichen Parteienstreit.

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