"DER STANDARD"-Kommentar: "Weg mit dem Kassen-Speck" von Andrea Heigl

(ET 01.02.2013)

Wien (ots) - Seine Gegner unterstellen Hansjörg Schelling so einiges - mangelndes Selbstbewusstsein gehört nicht dazu. Dementsprechend fällt die Bilanz des neuen alten Vorsitzenden des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger aus: Kassen entschuldet, Gesundheitsreform paktiert, Elektronische Gesundheitsakte auf Schiene. Außer Streit steht, dass im Gesundheitssystem viele scheinbar unmögliche Dinge möglich wurden; ob Schelling dafür alleinige Ehre gebührt - na ja. Gut möglich, dass auch der Gesundheitsminister oder die Länder ihr Scherflein beigetragen haben.

In Schellings ureigenstem Wirkungsbereich fielen einem schon Verbesserungsmöglichkeiten ein. Zum Beispiel der Leistungskatalog - bei dem Steigerungen jetzt wenigstens in Aussicht gestellt wurden. Noch schwieriger wäre eine echte Verwaltungsreform, da muss man gar nicht anfangen, von einer Zusammenlegung der 22 Kassen zu träumen. Warum kann man zum Beispiel am 31. März und am 1. April zu unterschiedlichen Hausärzten gehen, nicht aber am 1. April und am 30. Juni? Immer noch wird quartalsweise abgerechnet, und Schelling sieht es als Herkulesaufgabe, das zu ändern - unter Verweis auf die Autonomie der Träger. Jemand mit seinem Selbstbewusstsein sollte doch davor nicht zurückschrecken. Auch wenn die Headline "Verrechnungssystem der Kassen umstrukturiert" nicht ganz so sexy ist wie "Gesundheitsreform bringt elf Milliarden".

Rückfragehinweis:
   Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445 

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449/aom