"DER STANDARD"-Kommentar zur Drogenpolitik: "Zum Haare-Raufen" von Nina Weißensteiner

Ausgabe vom 31.1.2013

Wien (ots) - Jeden Ort in diesem Land will die Innenministerin jetzt zu jeder Zeit sicher machen - und zu dem Zweck würde Johanna Mikl-Leitner am liebsten auch den Drogenkonsum von Jugendlichen überwachen, indem sie ihnen schon beim ersten Verdacht die Haare ausreißt. Offiziell fordert die ÖVP-Politikerin das, um Suchtkarrieren unter Teenagern rasch abzustoppen, inoffiziell ist damit der schwarze Law-and-Order-Wahlkampf eröffnet. Doch bei dieser Argumentation stehen jedem versierten Sozialarbeiter die Haare zu Berge. Auch wenn Eltern, Lehrer und andere Erziehungsberechtigte das hier gar nicht gern lesen wollen: Damit stünde wohl bald die halbe Jugend Österreichs im Kriminal. Natürlich ziehen viele Kids bei Partys an den kursierenden Tüten, natürlich schmeißen sie bei Clubbings schon einmal eine dieser bunten Pillen ein - und zwar aus reiner Neugierde, um mitreden zu können, wie sich so ein Rausch anfühlt. Das ist nicht sehr erwachsen, das ist auch gefährlich, aber das war schon immer so - und so wird es auch immer sein. Bei völliger Prohibition würden Drogen in dem Alter leider noch interessanter - und mit den umstrittenen Haaranalysen wären sogar einzelne Torheiten recht lange nachweisbar. Für die Betroffenen aber würde das wohl arge Probleme bedeuten - im Elternhaus, in der Schule, im Lehrbetrieb. Und wo das hinführen kann, weiß auch die Ministerin ganz genau: nämlich erst recht auf die schiefe Bahn.

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