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Mittelbayerische Zeitung: Wiens junger Superstar
ÖVP-Chef Sebastian Kurz könnte der Alpenrepublik den Neuanfang bescheren, den sie so dringend braucht. Leitartikel von Adelheid Wölfl

Regensburg (ots)

Im anlaufenden Wahlkampf in Österreich ist der sonst niemals mundfaule Chef der FPÖ sichtlich nervös. Heinz Christian Strache sieht neben den beiden dynamischen Platzhirschen Christian Kern (SPÖ) und Sebastian Kurz (ÖVP) alt aus. Kurz könnte vor allem bei den jungen Strache-Wählern punkten. Das weiß Strache auch und hat sich bereits voll auf Kurz eingeschossen. Strache kann hingegen auf das Chaos in der Koalition und die Unfähigkeit von SPÖ und ÖVP verweisen, eine normale Form der Kooperation zu finden. Das dürfte der den Blauen nutzen. Die Österreicher haben schließlich jahrelang dabei zusehen müssen, wie sehr sich die Roten und Schwarzen bekriegten und dabei wenig Arbeit geleistet wurde. Die Freiheitlichen beginnen bereits, Strache mit den Worten: "Auf ihn können die Österreicher immer zählen" zu plakatieren. Doch auch Kern hat gute Umfrageergebnisse und gilt noch immer als Erneuerer und innovativ. Er ist in seiner Intelligenz und seinem Auftreten Kurz gewachsen. Entscheidend ist jedoch, wer bei der Wahl zulegen kann und an erster Stelle sein wird. Laut von Ende April liegt die FPÖ mit 32 Prozent Zustimmung vorn, sie legte jüngst sogar zu. Die SPÖ kommt auf 28 Prozent. Die ÖVP auf 23 Prozent. Es kann damit gerechnet werden, dass Kurz weitere fünf Prozent Zustimmung bringen wird. Die Grünen stehen bei nur neun Prozent, die liberalen Neos bei sechs Prozent. Geht es allerdings darum, wen sich die Österreicher als Kanzler wünschen, so wird Kurz (50 Prozent) dem Amtsinhaber Kern (37 Prozent) vorgezogen. Nach dem jahrelangen Hick-Hack und dem unrühmlichen Ende der SPÖ-ÖVP-Koalition scheint es mehr als wahrscheinlich, dass die FPÖ in der nächsten Regierung sitzen wird, vor allem auch weil die Grünen gar nicht stark genug sein könnten, um die Königsmacher zu spielen. Beiden Parteien - sowohl der SPÖ unter Kern, als auch der ÖVP unter Kurz - ist eine Kooperation mit den Rechtspopulisten zuzutrauen. Im Burgenland gibt es bereits eine rot-blaue Koalition. Werden die Blauen tatsächlich die Wahlen gewinnen - so wie dies die Umfragen voraussagen - könnte Strache den Anspruch stellen, Kanzler zu werden. Andererseits wird er dafür, weder Kurz noch Kern gewinnen können. Die beiden werden nur einer Koalition zustimmen, wenn sie die erste Geige spielen können. Und die wenigsten Österreicher trauen laut Umfragen Strache das Kanzleramt zu. Offensichtlich ist auch, dass der Wahlkampf sich erstmals nicht mehr so stark um die Blauen und ihr Ewig-Thema "Ausländer" drehen wird. Denn zurzeit zumindest ziehen Kurz und Kern alle Aufmerksamkeit auf sich. Vor allem die Revolution bei den Konservativen beschäftigt das Land. Denn die "alte Tante" ÖVP hat gravierende Veränderungen vor sich. Der 30-jährige Kurz will die ÖVP vor allem für junge Menschen öffnen und es ist damit zu rechnen, dass er damit erfolgreich sein wird. Seine Popularität ist enorm - 50 Prozent der Österreicher würden ihn Umfragen zufolge in einer Direktwahl als Kanzler haben wollen. Kritik gibt es allerdings daran, dass zu viel innerparteiliche Macht in seinen Händen liegen könnte. Gefährlich wird Kurz selbst hingegen für die liberalen Neos, die etwa das gleiche Publikum ansprechen wie der Neo-ÖVP-Chef: wirtschaftsfreundliche, urbane Bürgerliche. In den vergangenen Tagen hat das Team um Kurz alle Abgeordneten der Neos mittels Telefonanrufen für eine Zusammenarbeit gewinnen wollen. Doch Neos-Chef Matthias Strolz hat abgewunken. Die Neos könnten allerdings bei den kommenden Wahlen von der Kurz-Bewegung "aufgeschnupft" werden, wie man in Österreich so schön brutal sagt.

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