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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Charlie Hebdo: Humor kennt Grenzen, von Christine Straßer

Regensburg (ots) - Charlie Hebdo auf Deutsch? Das klingt ein bisschen wie Oktoberfest in Abu Dhabi. Aber das gibt es ja auch. Warum also sollte das französische Satireblatt nicht auch die Humorwüste rechts des Rheins - als solche gilt Deutschland in Frankreich - erobern? Diese Frage kann man stellen. Die Antwort ist nicht zum Lachen. "Humor ist wie eine Fremdsprache, manche brauchen Untertitel, um ihn zu verstehen." Dieses Lieblingszitat des französischen Komiker-Urgesteins Guy Bedos passt gut. Denn man kann es so deuten, dass Humor kaum zu übersetzen ist. Ein Witz mit Untertiteln ist weitaus weniger komisch. Anders gesagt: Humor hat es schwer, Grenzen zu überschreiten. Beispielsweise war ein Arte-Themenabend über die deutsche Komiker-Ikone Loriot für den Kultursender einer der zuschauerschwächsten in Frankreich. Es wird interessant sein, wie die Deutschen mit dem Charlie-Hebdo-Humor zurechtkommen. Er ist ungefähr so zartfühlend wie ein Dampfhammer. Auch das Witzepersonal dürfte auf viele Deutsche spaßbremsend wirken. Neben Politikern sind immer wieder auch Gläubige und Migranten Ziele des derben Spotts. Die Deutschen, so lernt man in Seminaren für interkulturelle Kommunikation, lieben den Kompromiss. Die Zeichner und Schreiber bei Charlie Hebdo hingegen sind auf Konflikt gebürstet. Ihr Humor kritisiert nicht nur, er verletzt - auch Minderheiten. Viele Franzosen, die eine Konfliktkultur pflegen, akzeptieren das. Viele Deutsche werden bei derlei Witzen das Gefühl haben, dass eine Grenze überschritten wird.

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