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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zum TV-Duell Trump gegen Clinton

Regensburg (ots) - von Thomas Spang, MZ

Wer über den "Strip" in Las Vegas läuft, kommt an traurigen Gestalten vorbei, die auf ihre Pappschilder Sätze wie "Arm und selber Schuld daran" geschrieben haben. Nach der dritten und letzten Präsidentschaftsdebatte könnte sich Donald Trump gut daneben setzen. Auf seiner Tafel stünde "Verloren und von allen im Stich gelassen." Im Unterschied zu dem Bettler, der mit seiner Ehrlichkeit die Herzen ein paar mitleidiger Passanten erweichen dürfte, werden die Amerikaner dem Rechtspopulisten keine Almosen in Form von Wählerstimmen geben. Sie haben ihn in drei Debatten als das durchschaut, was Trump ist: Ein selbstverliebter Narzisst, der glaubt, sich alles leisten zu können: Keine Steuern bezahlen, Frauen sexuell belästigen und jetzt auch den Willen der Wähler ignorieren. Die offen ausgesprochene Weigerung des Kandidaten, den Ausgang der Wahlen am 8. November vorbehaltlos anzuerkennen, ist der ultimative Ausweis eines gefährlichen Politikverständnisses. Mit dem Satz: "Ich werde mich zu gekommener Zeit dazu äußern" stellt Trump einen demokratischen Grundkonsens in Frage: Den friedlichen Übergang der Macht. Hillary Clinton reagierte spontan mit dem Satz: "Das ist entsetzlich." Analysten und Kommentatoren fügten andere Wertungen hinzu: Schockierend. Empörend. Unglaublich. Überraschen sollte das niemanden, der den Kandidaten über die vergangenen Monate verfolgt hat. In Trumps Welt kann ein großartiger Führer, wie er, nur gewinnen. Wenn nicht, muss jemand ihn um den Sieg betrogen haben. In der Version seiner politischen Dolchstoß-Legende handelt es sich dabei um eine große Verschwörung. Zu dem unheiligen Bündnis gehören "konservative Verräter" wie Paul Ryan, die ihn nicht unterstützen. "Wall Street"-Banker, die Hillary im Weißen Haus sehen wollen und die "Lügenpresse", die "sooo unfair" ist. Dabei heraus kommt ein System, das komplett manipuliert sei. Das machte millionenfachen Wahlbetrug möglich, bei dem Tote ihre Stimme abgeben und Afro-Amerikaner mehrfach wählen gehen. Nichts von dem trägt auch nur einen Funken Wahrheit in sich, dient Trump aber schon jetzt dazu, für den Tag X vorzubauen. Alternativ spricht er seiner Gegnerin das Recht ab, überhaupt neben ihm auf der Bühne zu stehen. In der ersten Debatte stempelte er Clinton als "Lügnerin" ab, in der zweiten versprach, er sie ins Gefängnis zu stecken und in Las Vegas schließlich warf er die demokratischen Spielregeln selbst über den Haufen. Alles nur, um der erste Frau im Weißen Haus die Legitimität streitig zu machen. Auch das hat Methode. So machte es Trump schon 2008, als er in Frage stellte, ob der erste schwarzen Präsident überhaupt ein amerikanischer Staatsbürger sei. Die dritte Debatte in Las Vegas schloss das Bewerbungsgespräch der Kandidaten für den Job im Weißen Haus mit einem eindeutigen Ergebnis ab. Dem Reality-TV-Star fehlen das Temperament und der Charakter als Präsident der Atommacht USA zu dienen. In seinem Narzissmus versäumte er die Chance, sich als Agent des Wandels zu positionieren. Clinton fliegen gewiss nicht die Herzen der Wähler zu, aber deren Respekt. Diese werden am Ende niemanden anheuern, der alles attackiert, was Amerika schon heute großartig macht. Seine Vielfalt, seine Freiheit und nun auch seine Demokratie. Las Vegas erwies sich als passende Kulisse für das letzte Kapitel in der Selbstdemontage Donald Trumps. Hier haben schon so manche Hochstapler, Playboys und Spieler ihr tragisches Ende gefunden.

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