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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Bernhard Fleischmann zu automatisiertem Fahren

Regensburg (ots) - Es ist eine verführerische Vision: Vollautomatische Autos chauffieren uns sicher ans Ziel, während wir Passagiere uns anderen Dingen zuwenden. So einfach das klingt, so kompliziert ist es in der Realität. Sollte die Technik zuverlässig funktionieren, wird es weniger Tote und Verletzte geben. So weit, so gut. Aber schon der Weg dorthin ist kompliziert: Solange das Auto nur bestimmte Situationen kontrollieren kann, wird der Fahrer nicht sicher wissen, was er dem Fahrzeug zutrauen kann. Also muss er mit voller Aufmerksamkeit Fahrer bleiben. Andernfalls kann es tödlich enden, wie der aufsehenerregende Unfall mit einem Tesla in den USA gezeigt hat. Somit bleibt der Nutzen erst einmal begrenzt. Ist die Technik in der Lage, die volle Kontrolle zu übernehmen, müssen andere Themen geklärt werden. Fraglich ist etwa, ob jemand ein Auto haben will, das sich im Extremfall dazu entscheidet, ihn zu opfern, weil die Alternative der Tod von mehr Personen wäre. Kann und will man dem Mobil eine Art Moral einprogrammieren? Wenn ja, welche? Die Ethikkommission muss sich mit enorm kniffligen Fragen auseinandersetzen. Minister Dobrindt jedenfalls tut sich sichtlich schwer, einen Kompass zu finden. Denn wenn er fordert, man müsse Filme anschauen können, aber ein "Mindestmaß an Aufmerksamkeit" wahren, dann bewegt er sich trotz der größtmöglichen Ungenauigkeit seiner Aussage schon nahe an der Unmöglichkeit. Der Mensch kann nicht zwei Dinge gleichzeitig einigermaßen aufmerksam verfolgen. Beim autonomen Fahren gilt deshalb, ganz oder gar nicht: Das Auto muss jede Situation beherrschen.

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