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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Christine Hochreiter zu Automatisierung und Digitalisierung

Regensburg (ots) - Kollege Roboter

Roboter und Menschen sollen eines Tages Hand in Hand arbeiten. So lautet jedenfalls die Vision des Fraunhofer Instituts in Magdeburg. Das Neue daran? Die Forscher wollen die Maschinen aus ihren Käfigen befreien und sie zu neuen Kollegen machen. Damit die Roboter keine Gefahr für Menschen darstellen, sollen sie insgesamt leichter und langsamer werden. In der Fahrzeug-Montage arbeiten Service-Roboter schon lange mit Menschen zusammen - bei Opel etwa beim Einbau von Autotüren. Die Maschine greift sich die Tür aus einem Transportwagen und hält sie an die Angeln des Autos. Für die Mitarbeiter hat das Vorteile: Sie müssen nicht mehr schwer heben, sondern das Teil nur noch in die Halterung einpassen. Um Unfälle zu vermeiden, wird die Zone von Scannern überwacht. Wie die Industrie in Zukunft produzieren wird oder könnte, ist in diesen Tagen auf der HannoverMesse erlebbar. Für die Beschäftigten bedeutet die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung in jedem Fall weit mehr als maschinelle Unterstützung. In der Industrie 4.0 verzahnt sich die Fertigung mit modernsten Informations- und Kommunikationstechnologien sowie mit der Logistik. Wie das "in echt" funktioniert, kann man heute schon im vielfach prämierten Siemens-Vorzeigewerk in Amberg sehen. Fakt ist: Deutschlands Industrieunternehmen stehen unter einem immer größeren Wettbewerbsdruck. Um weltweit konkurrenzfähig zu bleiben, müssen sie Prozesse optimieren und so auch bei der Produktivität zulegen. Neue Technologien können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Deren Einsatz hat aber einen weiteren positiven Effekt: Wie bei Opel können Maschinen den Menschen monotone und körperlich anstrengende (Routine-)Tätigkeiten abnehmen. Dass dabei mittel- und langfristig gerade geringqualifizierte Mitarbeiter ihre Jobs verlieren werden, steht allerdings außer Zweifel. Und so wird der forcierte Einsatz von Technik in den Fabriken auch massive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Nach einer Prognose des Weltwirtschaftsforums könnten durch die Digitalisierung bis zum Jahr 2020 rund sieben Millionen Arbeitsplätze in den Industrieländern verloren gehen. Dies betrifft vor allem weitgehend standardisierte Tätigkeiten - im Übrigen auch im Verwaltungsbereich. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung geht unterdessen für Deutschland davon aus, dass 490 000 Jobs verschwinden und 430 000 neue Stellen entstehen - tendenziell für IT-Spezialisten, Naturwissenschaftler, Unternehmensberater sowie in der Aus- und Weiterbildung. Deutschland verfügt nur begrenzt über Rohstoffe und benötigt das produzierende Gewerbe. Die klassische Industrie steuert derzeit fast 22 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Dennoch wird der Wert des Wissens, der mit komplexen Fertigungsprozessen verbunden ist, häufig unter- beziehungsweise geringgeschätzt. Ob bei Autos oder Anlagen, wer erfolgreich in Serie produzieren will, benötigt eine hohe industrielle Intelligenz und Kompetenz. Und wer sein Unternehmen zukunftsfest machen will, kommt an der Automatisierung und Digitalisierung nicht mehr vorbei. Viele Berufsbilder verändern sich. Die Arbeitnehmer stehen vor großen Herausforderungen, gerade wenn sie sich mit steigenden Ansprüchen an die eigenen Kompetenzen konfrontiert sehen. Stete Aus- und Weiterbildung und die Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen, werden daher immer wichtiger. Die Unternehmen sollten ihre Mitarbeiter nicht alleine lassen, und sie - so weit wie möglich - beim gemeinsamen Weg in die Zukunft an die Hand nehmen.

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