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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zum Vatikan: Folge dem Geld - von Christine Strasser

Regensburg (ots) - Erfahrungsgemäß gibt es eine einfache und effektive Vorgehensweise, um Skandalen auf die Spur zu kommen: Folge dem Geld! Was also haben 20 000 Euro in bar und - der Autor eines Schmierenromans hätte sich das nicht besser ausdenken können - hinter einer alten Dose Wiener Würstchen im Schreibtisch eines Mitarbeiters der Glaubenskongregation zu suchen? Doch genau die Antwort auf diese Frage sind der Chef der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller, und der Vatikansprecher Federico Lombardi schuldig geblieben. Die nötigen Gegenmaßnahmen seien getroffen worden, heißt es. Aber welche sind das denn? Das wird wiederum nicht weiter erläutert. Transparenz sieht jedenfalls anders aus. Das mag viele nicht überraschen. Anfang November haben die italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi und Emiliano Fittipaldi Bücher veröffentlicht, in denen sie der Kurie maßlose Geldverschwendung vorwerfen. Nuzzi schreibt: "Im Herzen der Kirche klafft ein schwarzes Loch von Desinformation, Misswirtschaft, Verschleierung und Betrug." Beide Autoren stützen sich auf vertrauliche Dokumente, die ihnen zugespielt wurden. Der Vatikan wiegelt ab. Die Autoren beschrieben bereits überwundene Probleme. Papst Franziskus steht in dem Ruf, dass er mit Korruption und Misswirtschaft aufräumen will. Zumindest seltsam ist es dann, dass die Journalisten, die Licht ins Dunkel bringen wollten, nun im Vatikan vor Gericht stehen. Die Justiz des Kirchenstaates wirft ihnen vor, die Dokumente unrechtmäßig an sich gebracht zu haben.

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