Mittelbayerische Zeitung

Mittelbayerische Zeitung: Die Schuldigen
Kommentar zum Organspende-Skandal

Regensburg (ots) - Knapp 20 Monate dauerte der Mammutprozess gegen Dr. O. Er wurde freigesprochen; doch frei von Schuld ist er nicht. O. hat - das sagt die Strafkammer - Patienten auf dem Papier kranker gemacht, damit diese schneller an ein Spenderorgan kommen. Das ist moralisch verwerflich - und wirkt bis heute nach. Dieser Skandal hat Vertrauen gekostet - und damit Menschenleben. Die Zahl der Organspenden nahm dramatisch ab, erholt hat sich das System bisher nicht davon. Noch immer sterben täglich mehrere Patienten, die auf der Warteliste stehen. Und das ist ein Zustand, den man nicht nur dem freigesprochenen Arzt anlasten kann, sondern allen Medizinern, die selbstherrlich über den Klinikboden stolzieren, getrieben von Macht- und Geltungsstreben, Patienten in Klassen einstufen und diese nach diesem Prinzip auch behandeln. Dennoch kann man dem Transplantationsskandal auch etwas Positives abringen: Das System ist jetzt so sicher wie nie, Verstöße sind nun klar strafrechtlich geregelt, mehrere Ärzte sind am Vergabeverfahren für Organe beteiligt. Dass es wirkt, haben Kontrollen bewiesen. Dennoch war es ein wichtiges Signal des Richters, in seinem Urteil darauf hinzuweisen, dass jedes Leben gleich viel wert ist.

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