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Mittelbayerische Zeitung: Wasser als Luxusgut - Die Dürre in Kalifornien erlaubt einen Blick in die Zukunft: Wassermangel wird auch reichen Ländern zusetzen.

Regensburg (ots) - Ein kostenloses Glas Wasser im Restaurant galt in den USA bisher als selbstverständlich. In Kalifornien ist das ab sofort anders. Kellner dürfen nicht mehr automatisch Wasser auf den Tisch stellen, sondern nur noch wenn die Gäste ausdrücklich danach fragen. Die Vorschrift ist Teil eines Maßnahmenbündels, mit dem der größte US-Bundesstaat gegen den chronischen Wassermangel vorgeht. Den gewöhnlich unbesorgten Kaliforniern ist die Krise so gewärtig, dass 96 Prozent der Befragten in einer neuen Erhebung von einem ernsten Problem sprechen. Wohl wahr. Wasserknappheit ist nicht nur eine Theorie, sondern im Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Trinkwasser angekommen. Die für das Wasser-Management zuständigen Verantwortlichen in 40 Bundesstaaten bereiten sich auf vergleichbare Krisen vor. So traurig es ist, bedurfte es der anhaltenden Dürre im Obst- und Gemüsegarten des reichsten Landes der Welt, die globale "Peak-Water"-Herausforderung nicht länger zu ignorieren. Wissenschaftler sprechen von "Peak Water", wenn mehr Wasser verbraucht wird als anschließend wieder in die Reservoirs fließt. Rund um den Erdball haben 1,2 Milliarden Menschen schon seit einiger Zeit keinen gesicherten Zugang zu Trinkwasser. Die Ursachen für Wassermangel und Trockenheit sind vielfältig und regional verschieden. In Kalifornien sind es die ausbleibenden Regenfälle der letzten drei Jahre. Während zyklische Schwankungen in diesem Teil der Welt nicht unbekannt sind, folgten in der Vergangenheit Trockenperioden Jahre, in denen "El Nino" die Wasservorräte wieder auffüllte. Das scheint sich zu verändern. Die Abstände werden größer und es fällt weniger Niederschlag. Damit einher geht das Abnehmen der Schneedecke auf den Gipfeln der Sierra Nevada. In diesem März erreichten sie den zweittiefsten Stand in der Geschichte. Damit wird die Schmelze geringer ausfallen und die verfügbaren Wasserreserven beeinflussen. Überall ähnlich wirkt sich dagegen die globale Klimaveränderung aus. Das vergangene Jahr war das heißeste in der Geschichte. Nach Erkenntnissen von Klimaforschern ist die Erderwärmung nicht die Ursache der Dürren, aber sie beschleunigt das Austrocknen ganzer Regionen. Die Farmer im Central Valley bekommen die Konsequenzen bereits zu spüren. Die staatlichen Wasser-Reservoirs bleiben für sie bereits im zweiten Jahr hintereinander tabu. Damit stehen die Besitzer der Obst- und Gemüseplantagen vor der Wahl, entweder selber teure Grundwasser-Quellen zu erschließen oder Anbaugebiete brach liegen zu lassen. Viele haben sich aus Kostengründen für letztere Variante entschieden und eine Fläche von der Größe 400 000 Fußballfelder nicht mehr bebaut. Die Amerikaner werden es sich nicht mehr lange leisten können, jeden Tag im Schnitt 8000 Liter Wasser je Person zu konsumieren. Der verblüffend hohe Wert ergibt sich aus dem direkten Wasserverbrauch von etwa 400 Litern am Tag und dem indirekten, der in die Produktion von Konsumgütern fließt. So werden für die Herstellung einer Plastikflasche, die dann einen halben Liter Trinkwasser aufbewahrt, 5,5 Liter Wasser verbraucht. Ein Kilo Steak kommt zum Preis von 11 000 Liter Wasser auf den Teller. Ohne es zu realisieren, verbrauchen nicht nur die Amerikaner, sondern die meisten Bewohner der Industrie- und Schwellenländer zu viel der rarer werdenden Ressource. Am Ende führt kein Weg daran vorbei, dass alle ihr Verhalten verändern. Der Preis für das Nichtstun wird sonst immer höher. Wie hoch, das veranschaulicht die Dürre in Kalifornien, die einen Blick in die Zukunft erlaubt. Wasser im 21 Jahrhundert könnte zu dem werden, was Öl im letzten Jahrhundert war: Ein knappes, kostbares und umkämpftes Gut.

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