Mittelbayerische Zeitung

Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel zu CSU/SPD: Söders Triumph und Pronolds Niederlage von Christine Schröpf

Regensburg (ots) - Für CSU-Kronprinz Markus Söder sind es Tage des Triumphs: Kaum bekräftigt Regierungschef Horst Seehofer, dass 2018 für ihn definitiv Schluss ist, wird der Finanzminister zum aussichtsreichsten Nachfolger gekürt. 41 Prozent der Bayern halten Söder laut neuester Umfrage für den besten Spitzenkandidaten, den die CSU bei der Landtagswahl 2018 ins Rennen schicken kann. Damit sind die Aktien des Franken in die Höhe geschnellt. Hohe Prozentpunkte sind in der CSU die einzige Währung, die zählt. In der Regierungspartei kommt voran, wer viele Wählerstimmen und damit Mandate garantiert. Mit seinen 41 Prozent kann Söder den Oberbayern-Bonus seiner glücklosen Konkurrentin Ilse Aigner wettmachen. Sie ist mit 24 Prozent weit abgeschlagen. In ihrem ersten Jahr als Wirtschaftsministerin hat sich Aigner gnadenlos in der Energiewende verheddert. Zwar hat sie in ihrem Ressort harte Nüsse zu knacken. Stichwort: Stromtrassenstreit. Regierungschef Horst Seehofer funkte ihr mehrfach dazwischen. Bei vielem, was sie in München vorantreiben soll, werden die Stellschrauben zudem in Berlin gedreht. Doch Söders Aufgabenportfolio ist ebenfalls gepfeffert. Beim Kampf für das neue Breitband-Förderprogramm erwies sich die EU als Widersacher. Im Dauerstreit um den Länderfinanzausgleich hat er bundesweit Feinde. In der bayerischen Landesbank türmt sich für jedes Problem, das abgeräumt ist, ein neues auf. Umfragen sind kein Evangelium. Bis 2018 kann sich die Stimmung mehrfach drehen. Söder hat vorgesorgt. Als Heimatminister verteilt er in den nächsten Jahren landauf, landab Breitband-Förderbescheide. Dort, wo das Internet am Ende der Bauarbeiten endlich flott ist, kann er sich große Sympathien der Bürger ausrechnen. Wer Söder in der CSU Paroli bieten will, sollte also blitzschnell in die Gänge kommen. Noch ist niemand in Sicht. Die größte Gefahr für den Finanzminister ist derzeit, dass er angesichts guter Umfragewerte zu viel Oberwasser bekommt und Fehler machen könnte. Ein Luxusproblem, das man in der SPD nicht kennt. Dort ist mit dem Nürnberger OB Ulrich Maly der aussichtsreichste Spitzenkandidat für 2018 in etwa so stark wie Ilse Aigner, wehrt sich aber ziemlich glaubhaft mit Händen und Füßen gegen diese Position. SPD-Landeschef Florian Pronold wiederum, der Ambitionen hätte, fuhr ein so grottenschlechtes Ergebnis ein, dass er als Parteivorsitzender hinwerfen müsste. Selbst in den eigenen Reihen halten ihn nur 14 Prozent für einen guten Spitzenkandidaten. Den Traum von der Eroberung der Staatskanzlei kann die SPD ohnehin bis auf Weiteres abhaken. Die CSU ist mit 46 Prozent zwar weit entfernt von früheren Erfolgen. Doch sie erreicht immer noch acht Prozent mehr als alle Oppositionsparteien gemeinsam. Ein Dreier-Bündnis ist ohnehin pure Theorie. Auffällig ist, dass SPD, Grüne und Freie Wähler mehr oder weniger offen eine Koalition mit der CSU in den Blick nehmen. Es geschieht aus purem Pragmatismus. Die CSU kommt damit in die bequeme Lage, dass sie sich einen Partner aussuchen kann, falls sie 2018 die absolute Mehrheit verfehlt. Ausgeschlossen ist das nicht - auch das spielt Söder in die Hände. Sollte es zur Neuauflage einer Koalitionsregierung kommen, ist in der CSU als Ministerpräsident ein harter Knochen gefragt. Einer, der den Partner so klein hält, wie es Seehofer mit der FDP gemacht hat. Eine Aufgabenbeschreibung, die perfekt auf Söder passt.

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