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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu aktive Sterbehilfe für Kinder

Regensburg (ots) - von Hanna Vauchelle, MZ

Belgien ist ein sehr liberales Land. Mit der gesetzlich erlaubten Sterbehilfe für Kinder geht der belgische Staat aber zu weit. Kirchen befürchten zu Recht, dass das Gesetz die Solidarität der Bürger mit leidenden Menschen untergraben könnte. Bereits jetzt hat das Land einen Rekordstand bei der Anzahl von Menschen erreicht, die jährlich aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen. Der freiwillige Tod darf aber nicht zum Normalfall werden. "Recht auf Euthanasie" heißt das Gesetz, das in Belgien verabschiedet wurde. Während der Begriff hierzulande aufgrund des von den Nazis verübten Massenmordes an Behinderten tabu ist, wird er im Nachbarland positiv assoziiert: Der unheilbar Kranke entscheidet sich dafür, in den Tod zu gehen und ist sich der Tragweite seines Entschlusses vollends bewusst. Was auf den ersten Blick im Sinne aufgeklärter Selbstbestimmung zu sein scheint, ist in Bezug auf Kinder um einiges komplizierter. Können Sechs- oder Zehnjährige tatsächlich die Tragweite einer solchen Entscheidung erfassen? Und was ist mit Babys und Kleinkindern? In diesem Fall kann von Selbstbestimmung keine Rede sein. Der Schritt zur Frage nach dem Umgang mit Demenz-Kranken ist dann nicht mehr weit. Sicherlich, es geht bei dem Gesetz auch darum, für Patienten und Ärzte Rechtssicherheit in einer Extremsituation zu schaffen. Dabei wäre es viel wichtiger, Kinder-Hospize und Palliativversorgung auszubauen, damit Familien die wenige Zeit, die ihnen noch bleibt, gemeinsam verbringen können.

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