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Mittelbayerische Zeitung: Drahtsteilakt
Kommentar zum BayernLB-Prozess

Regensburg (ots) - Genugtuung will sich breitmachen beim Anblick der adretten Manager auf der Anklagebank. Sitzen sie doch dort wie die Personifizierung des Gierbankers, der uns die Finanzkrise erst eingebrockt hat. Endlich, denkt man unwillkürlich, werden mal diejenigen zur Rechenschaft gezogen, die Milliarden unserer Spar- und Steuergelder wie Spielgeld auf dem Roulettetisch der Weltfinanzen verzocken. Doch um all das geht es nicht in der Verhandlung gegen die ehemaligen Vorstände der BayernLB. Hier wird niemand zur Rechenschaft gezogen werden für hochriskante Finanzgeschäfte. Es geht einzig und allein um den - aus heutiger Sicht - ziemlich dummen Kauf einer ziemlich ruinierten Bank. Die wiederum mit hochriskanten Finanzgeschäften Geld verlor, das aber interessiert die Münchner Richter nur am Rande. Herauszufinden, was genau die BayernLB-Vorstände 2007 bereits wussten oder hätten wissen müssen, wird schwierig, ihnen auch noch rechtskräftig nachzuweisen, dass sie der Landesbank wissentlich oder gar willentlich geschadet haben, noch schwerer. Es wird dennoch ein spannender Prozess. Denn er wird Einblicke erlauben in die Welt derer, die mitten im Zentrum der Finanzkrise ihre Entscheidungen getroffen haben. Ein kleiner Blick in die Denkweise der Menschen, die mit ein paar Millionen mehr oder weniger Entscheidungen durchsetzen, die sie für richtig und/oder profitabel halten, und dabei manchmal auch auf dem Drahtseil zwischen Legalität und Illegalität balancieren.

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