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Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel zum Advent: "Sinnlich und besinnlich"

Regensburg (ots)

Feierlich ging es zu bei der Eröffnung des Regensburger Christkindlmarkts auf dem Neupfarrplatz. Oberbürgermeister Hans Schaidinger, sonst nicht um kritische Töne verlegen, appellierte versöhnlich an den guten Willen der Menschen. Und die Geschäfte der Regensburger Innenstadt gaben bei der erstmals veranstalteten "1. langen Shopping-Nacht" den Flaneuren Gelegenheit, sich bis in den späten Abend hinein mit ersten Geschenken einzudecken. Die meisten Menschen sehen zwischen adventlicher Stimmung einerseits und der Erfüllung materieller Wünsche andererseits keinen Widerspruch, wie sich am Zuspruch der spätabendlichen Kunden zeigte. Und das erklärt auch die Jahrhunderte alte Erfolgsgeschichte der vorweihnachtlichen Märkte. Dass das ideell und emotional geprägte Fest der Liebe und der Geschenkekauf in den Augen vieler Menschen durchaus zusammenpassen, heißt aber nicht, dass diese Menschen Fehlentwicklungen einfach so hinnehmen. Mit dem wichtigsten Fest der Christen und der Zeit davor spielt man nicht ungestraft. Das haben offenbar auch die Beschicker der Weihnachtsmärkte erkannt, die ihr Sortiment nach einem Trend ausrichten, der sich wieder an traditionellen Werten orientiert, wie ein Forscher zu beobachten glaubt. Und richtig: Kommerzielle Exzesse wie Elektronikspielzeug aus Fernost oder Billigtextilien sind auf den Weihnachtsmärkten eher selten geworden. Und US-Weihnachtsklassiker weichen zunehmend deutschem Liedgut - am besten von einem echten Chor dargeboten statt vom CD-Player. In Regensburg ist das von den Besuchern als unpassend empfundene Sortiment inklusive musikalischer Begleiterscheinungen schon länger auf dem Rückzug. Aber auch in der Region achtet man darauf, dass die Adventsmärkte nicht zu ramschigen Verkaufsmessen ausarten. Wenn die sensible Balance zwischen Emotion und Geschäft gestört wird, reagieren die Menschen empfindlich. Mancher Adventsmarkt ist dadurch ins Trudeln gekommen und muss nun mit viel Aufwand wiederbelebt werden. Der Schwandorfer Christkindlmarkt etwa wird gerade durch eine Regensburger Agentur im Verein mit den örtlichen Kaufleuten neu aufgestellt. Fortan gibt es dort neben hochwertiger Gastronomie auch Schauspieler, die heimische Weihnachtsbräuche erläutern. Plastikschmuck ist ebenso verpönt wie Musik aus der Konserve. Wird auf diese Weise die Advents- zur Eventzeit? Nicht unbedingt: Die Menschen wollen möglichst authentisch empfundene Erlebnisse, die ihnen die vielen, vielen Bilder auf den allgegenwärtigen Klein- und Flachbildschirmen nicht bieten können. Sinnlich, besinnlich und kurzweilig soll es zugehen. Wenn eine nette Unterhaltung mit dem Nachbarn am Glühweinstand zustande kommt, nimmt man das als schönes Erlebnis mit nach Hause. Vielleicht bringt die Rückbesinnung auf Traditionen und die Freude an der Kommunikation die Menschen auch wieder den Wurzeln der Adventszeit ein bisschen näher, die in den letzten Jahrzehnten ein wenig vergessen schienen. Der spirituelle Sinn des Advents besteht darin, in der dunkelsten Zeit des Jahres gemeinsam auf das Licht zu warten, und gleichzeitig das bittersüße Gefühl auszukosten, dass das schönste Fest des Jahres durch ein paar Wochen demütigen, stillen Wartens (früher auch: Fastens) erst richtig schön wird. Und wem es doch einmal zu rummelig wird, dem sei ein Kirchenbesuch empfohlen. Es muss ja nicht gleich das Rorate-Amt in aller Herrgottsfrühe sein. Autor: Reinhold Willfurth

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