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Aachener Zeitung: Kommentar Grob fahrlässig Schule und Bildung sind für Wahlkampf ungeeignet Bernd Mathieu

Aachen (ots) - Nur Platz 14, mal wieder, für Nordrhein-Westfalen. Lediglich Brandenburg und Berlin liegen im aktuellen Bildungsmonitor der wirtschaftsnahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft noch hinter unserem Bundesland. Das sieht auf den ersten Blick dramatisch aus, aber, man glaubt es kaum: Es gibt auch Positives zu vermelden. Leider zu wenig. Das funktioniert gut in NRW: Wenige Schüler werden verspätet eingeschult, wenige wiederholen eine Klasse und weniger Ausbildungsverträge als im Bundesdurchschnitt werden vorzeitig aufgelöst. Überdurchschnittlich viele Schüler werden schon an Grundschulen in Fremdsprachen unterrichtet. Und hier gibt es erheblichen Verbesserungsbedarf: Relativ viele Schüler haben zu geringe Kompetenzen. Der Anteil der Absolventen mit erfolgreichem Abschluss an beruflichen Vollzeitschulen ist der bundesweit geringste. In NRW ist die Zahl der Jugendlichen, die keine Lehrstelle finden, überdurchschnittlich hoch. 420 Stellen an Grundschulen sind unbesetzt. Auf eine Lehrkraft kommen an Schulen und Hochschulen in NRW überdurchschnittlich viele Schüler und Studierende. Es wäre oberflächlich, dieses Dilemma einseitig nur einer bestimmten Landesregierung oder einzelnen Parteien anzulasten; denn die Relation Lehrkraft-Studierende ist mit 25,5 zwar die schlechteste in Deutschland, lag aber 2009 sogar bei 29,5. Damals regierte eine schwarz-gelbe Koalition, zurzeit eine rot-grüne. Dieses Beispiel zeigt, dass sich Bildungspolitik kaum als emotionales Wahlkampfthema eignet. Im Hinblick auf die Landtagswahl im Mai 2017 wird die Versuchung groß sein. Das zeigen erste Reaktionen auf die gestrige Pressekonferenz der grünen Schulministerin Sylvia Löhrmann, die zum Thema "Turbo-Abitur" (G 8) wieder zu einem Runden Tisch einladen wird, um die mögliche Rückkehr zum alten G-9-Abitur zu erörtern. Bei aller - berechtigten - Kritik an Löhrmann (Stichworte Inklusion, Ganztagsschule) ist sie diesmal nicht die Verursacherin des unseligen Hin und Her. Den Anlass dafür liefert die Landeselternschaft der Gymnasien. Damit verlässt sie den Ende 2014 beschlossenen Konsens, als Eltern- und Lehrerverbände und auch die große CDU-Landtagsfraktion gemeinsam mit der Landesregierung ein Zehn-Punkte-Papier vereinbarten. Ist das nicht mehr gültig? Die nordrhein-westfälischen Landtagsparteien stehen seit Jahrzehnten nicht im Ruf, für eine gediegene, gut organisierte und langfristig zuverlässige Schulpolitik zu sorgen. Kaum war eine Reform verabschiedet, drohte die nächste. An der Spitze des Bildungsmonitors steht erneut Sachsen, das sich seit Jahrzehnten durch eine stabile Schulstruktur auszeichnet. Von Zufall kann man hier kaum reden. Sinnvolle Schulpolitik basiert auf gemeinsamer Verantwortung, wie sie 2014 besprochen worden ist. Eine Abkehr davon wäre angesichts der gigantischen Herausforderung, die uns die Integration von Flüchtlingskindern abverlangt, grob fahrlässig.

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